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Esbjörn Svensson ist tot

Als ich zum allerersten Mal das Stück ‘Ballad for the Unborn’ vom Esbjörn Svensson Trio gehört habe bin ich vor wundersamen Erstaunen regelrecht erstarrt.
Es war, als wäre die ganze Schönheit der Welt zusammengekommen, um in einem einzigen Stück, in ein paar Minuten der Harmonie zusammenzufließen.
Fünfeinhalb Minuten voll zauberhafter Melancholie, voller Träume und Hoffnungen, fünfeinhalb Minuten des reinen Glücks.

Dieses eine Stück reichte aus, um mein Herz für immer an Esbjörn Svenssons Musik zu verlieren.
Ich kann die Stunden nicht zählen, die seine Musik mich in meinem Leben begleitet hat.

Als sein Trio das letzte Mal zu Gast war in Berlin hatte ich überlegt, ob ich hingehe solle, hatte mich aber dagegen entschieden, weil mir das damalige Album nicht so gut gefiel wie frühere Werke.
Ich hatte mir fest vorgenommen auf jeden Fall beim nächsten Berlinauftritt in ihr Konzert zu gehen, diese wunderbare Musik live zu hören!
Doch das geht jetzt nicht mehr.
Denn gestern, am 15. Juni 2008 starb Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall nahe Stockholm.
Die Welt hat einen der großartigsten Musiker aller Zeiten verloren.
Seine Musik wird immer einen Platz in meinem Herzen haben…

You dont need no air to dance

Heute habe ich mich gefragt, warum ich 20€ dafür ausgebe um auf einer Fläche stehen zu dürfen die nur wenig größer als meine beiden Füße ist, dabei nahezu jeglichen Sauerstoff entzogen zu bekommen, stinkende Raucherfahnen ertragen zu müssen und zu allem Überfluss noch Angst haben zu müssen innerhalb der nächsten 20 Minuten auszusehen wie eine ausgetrocknete Olive, wenn nichts Trinkbares beschafft wird.
Dann kommen 3 Leute auf die Bühne. Warum sie das Publikum erst noch eine halbe Stunde dumm rumstehen lassen weiß auch nur die Bundesunhöflichkeitsbeauftragte. Zwei Drittel der Band sehen aus wie die langweiligsten Standardmenschen von Standardistan und der Dritte gleicht im Todesgrad etwa den Rolling Stones, ist aber nur halb so alt (die Stones sind doch 80?). Der Schuppen – das Maria am Ostbahnhof – legt wert darauf wenig zu beleuchten, damit man nicht sieht wie schäbig es ist. Wobei es eigentlich auch egal ist, wie schäbig der Laden ist, aber unter den geschilderten Umständen wird ein Genießen der Musik ein wirkliche Aufgabe. Die überall blinkenden und blitzenden Digitalknipsen und die sich ob der schlechten Bilder wundernden “Zuhörer” (und wie war das Konzert? – Weiß nicht, hab das Video noch nicht gesehen) lassen den Aggressionspegel weiter steigen.
Warum nicht gehen? Die Musik ist einfach zu gut. Diese eigenartige Kombination von Menschen und ihr teilweise wirklich extraordinäres Können begeistern. Nicht nur auf Platte sind Shellac wirklich gut. Die Ryhtmen, die Monotonie, die Abwechslung, die Melodien, die Texte. Für eine Zugabe scheinen sie sich aber zu schade gewesen zu sein. Dafür bauen sie direkt anschließend ihr Equipment selbst ab, während die Leute noch zuschauen. Completely strange. Am Ende habe ich mich geärgert nicht mehr abgegangen zu sein, mehr in der Mitte gestanden zu haben und mein vorhandenes selbstinduziertes Delirium nicht agressionsabbauender und roten und andersfarbigen Scheißdreck herauspustender genutzt zu haben. Trotzdem bin ich halbwegs froh eines der beiden Deutschlandkonzerte besucht zu haben.

Seit Ursache und Wirkung das beste Team

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Foto: schoenswetter

Dortmund, Samstag 21.00 Uhr. Eine kleine Gruppe komplett schwarz gekleideter junger Menschen trifft sich um gemeinsam dem letzten Aufbäumen des deutschen kopflastigen Hip-Hop beizuwohnen und ihn danach zu Grabe zu tragen. Ganz so schlimm war es nicht, doch in den Köpfen der Angereisten war dieses Bild allgegenwärtig. Denn die Kinderzimmer Productions haben sich eingefunden um ein letztes Mal ihre Kunst zu zelebrieren und sich danach in einem rein privatem Leben zu zerstreuen.
Daher könnte man auch vermuten, daß das Konzerthaus Dortmund, welches normalerweise klassische Konzerte beherbergt und somit ein ungewohnter, dafür um so reizvollerer Ort für Hip-Hop ist, ausverkauft war. Doch dem war nicht so. Die Fans, deren Freunde wenig Organisationstalent hatten, verschenkten teilweise die zuviel gekauften Karten – an einen Verkauf war nicht zu denken. Unfassbar, wenn man sich das gebotene vor Augen führt. Sehr viel fassbarer wird dadurch aber der Entschluss von Textor und Quasi Modo keine weitere Energie in ihre Musik zu stecken. Das schmerzt die wirklichen Liebhaber dieser Gruppe natürlich um so mehr, denn die waren sich auch nicht zu schade aus München, Hamburg, Jena oder gar Wien in die westdeutsche Tristesse zu reisen.
Doch wenden wir uns den schönen Dingen des Abends zu. Das Konzerthaus war ein würdiger Ort, denn es war eigentlich ein Hörkonzert und kein Tanzkonzert. Das sahen einige anders, doch sprach sowohl die Instrumentierung und die ruhige Umsetzung der Stücke, als auch der recht leise Sound deutlich dafür, daß es als ein solches gedacht war. Die beiden Hauptpersonen wurden nämlich nicht nur – wie bei normalen Konzerten – durch “Jürgen das Tier” am Schlagzeug unterstützt, sondern ebenfalls von Fabian Kalker (Gitarre/Bass), Peer Neumann (Halb Finne, halb Hesse – mitten in die Fresse! – Klavier, Cembalo(!), Geräusche, etc) und den Bosum Brüdern (Backin Vocals). Textor selbst spielte zusätzlich noch die Liebe seines Lebens – einen klassischen Kontrabass – das Instrument welches er auch studiert hat.
Dementsprechend unplugged klang der Hip-Hop auch und man fing an sich zu wundern, warum Hip-Hop denn nicht immer mit klassischen Instrumenten gespielt wird. Grandios. Wie Textor schon in einem Interview bei coast2coast (Folge 16) Eisfeld zitierte: „Wer Hip Hop macht aber nur Hip Hop hört, betreibt Inzest“. Und so wurde ganz jazzlike zwischendurch improvisiert und nach besonders kunstfertigen Einlagen geklatscht. Das Cembalo ebenso wie eine Chipstüte (zur Simulierung von Plattenknistern), eine Triola, Xylophone (klein und groß) und allerlei weitere phantasievoll genutzte hip-hop-fremde Instrumente bezeugten die Detailverliebtheit der Jungs und erzeugten so ein vollkommen erfrischendes Klangerlebnis.
Eine weitere Premiere war einer meiner Lieblingsstücke live zu hören: “Nie wieder gut” – denn bis dato hatten sie dieses Stück immer auslassen müssen (ich vermute wegen der Instrumentierung). Ebenso “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint” mit der besten Bassline ever auf dem schönsten Instrument gespielt war ein Hochgenuss. Nur lauter hätte ich mir gerade dieses Stück gewünscht.
Bei so viel Erlebnis und akustischer Bewusstseinserweiterung kam das letzte Stück dann sehr plötzlich, doch blieb sehr lang. Denn nachdem der Saal geschlossen aufstand um den Jungs den gebührenden Respekt zu vermitteln, ließen sie sich zu geschlagenen 3 Zugaben mit jeweils mindestens 2 Stücken überreden, während derer der Saal auch stehen blieb und nur knapp dazu bewegt werden konnte jemals wieder mit klatschen aufzuhören. Als krönenden Abschluß kam dann noch eine Hommage der beiden alleine an einen ihrer amerikanischen Sample-Lieferanten. Sie waren wirklich gerührt von der Begeisterung der Leute und auch unter den Zuhörern kullerte innerlich oder gar äußerlich die eine oder andere Träne die Wangen hinunter.
Glücklich diesem Ereignis beigewohnt zu haben und traurig ob der Beerdigung verließ ich den Konzertsaal als einer der letzten, die Stimmung auskostend. Draußen scharten sich schon die Leute um den kleinen Shop, der die letzten Fanartikel verkaufte und dann sogar noch mit der Anwesenheit von Textor und Quasi Modo beehrt wurde. Entgegen seiner Aussage er würde sich eher erschießen bevor er seinen eigenen Scheiß signiere, tat er selbiges (nicht erschießen) und beantwortete freundlich und dankbar Fragen. So erfuhr ich auch, daß sie das Konzert aufgenommen haben, die Aufnahmen überprüfen werden und bei angemessener Qualität das Ganze planen zu veröffentlichen. Und ich dachte schon ich müßte für immer mit meiner übersteuerten und schlecht klingenden Aufnahme leben.
Textor wird jetzt ersteinmal Urlaub machen und sich einem normalen Job widmen. Wenn er dann in ein oder zwei Jahren Langeweile verspürt, wird es eventuell wieder Musik von ihm geben – welche Richtung oder was genau dies sein wird ist dabei noch völlig offen.
Also vielen Dank ihr beiden! Auch dafür euch selbst so treu geblieben zu sein und nicht dem Geld wegen Dinge anders gemacht zu haben. Aber für ne echte Tätowierung ist sein Oberarm eben auch zu schmal.

Mein Rucksack mit dem Fotoapparat wurde mir leider am Eingang abgenommen, so daß ich keine Fotos machen konnte, was mich doch hinreichend stark geärgert hat, doch konnte ich mich so wenigstens voll und ganz das Konzert genießen.

stop to be verkoppt

Anleitung wie man einen potentiell schönen Abend in ein kleines Desaster wandeln kann: so gegen 9 ins Bett gehen, Wecker auf um 10 stellen, vom Wecker aufwachen, natürlich noch müde und faul sein, keinen in der Nähe haben mit dem man zu dem Konzert gehen könnte oder mit dem man sich verabredet hat, sich ärgern daß man so faul ist, sich ärgern daß man jetzt nochmal in die Kälte müßte und sich ganz alleine in dem bösen gefährlichen Konzertraum aufhalten müßte, 1 Stunde in diesem Dilemma wälzen bis die Laune Tiefkühlhöllenniveau hat, auf die Seite der Band gehen um die gute Musik nochmal zu hören, rausfinden daß man die CD immerhin auch online direkt dort bekommt, auf eine Minidoku von ihnen stoßen und richtig Lust auf die Musik bekommen, inzwischen das Konzert schon für nahezu beendet erklären weil es so spät ist, doch zuhause bleiben, verpassten Chancen die vielleicht da gewesen wären nachtrauern, versuchen möglichst schnell einzuschlafen und morgen alles vergessen zu haben, dafür 10,5 Stunden gearbeitet haben, das Nächste mal alles anders und besser machen, realisieren, daß dies bereits das 3te nächste Mal war, doch noch einschlafen können.


Grande Finesse_Delbo from FM Pampuch on Vimeo.

Miss Kenichi

Das erste Mal digital und seit langem überhaupt ein Album gekauft (ohne Zwischenhändler und DRM) und sehr glücklich damit. Verlegt bei den Kinderzimmer Recordings bin ich auf Miss Kenichi aufmerksam geworden. Grandios. So ruhig und so kraftvoll. Wundervolle Kombination. Anspieltip (auf ihrer Website): Under my skirt. Video nach dem Klick.
[myspace]

‘Miss Kenichi’ weiterlesen

Konzertaufruf

Am 2. Mai (Freitag) spielen Shellac in Berlin. Die Band mit dem bestem längsten Lied in meiner persönlichen Musikgeschichte muß ich einfach mal gesehen habe. Wer kommt mit? Kennt ihr nicht?

Metalljazz und guillotinierte Ratten

Kein einziger Ton entwich aus dem dreifach schallisolierten kleinen Jazzclub im Herzen von Westberlin, einzig die leicht gedämpften Geräusche der Großstadt drang an diesem Donnerstag abend ans Ohr.

Doch auf der anderen Seite der großen Fenster war die Hölle los!

Denn dort standen neben großen Verstärkern Panzerballet auf der Bühne und brachten ihr Publikum mit dem auf Trab, was Jan Zehrfeld, der Kopf der Truppe, zu Beginn des Konzertes als ‘Wellness-Death-Jazz’ eingeordnet hatte. “Man könnte es auch Lounge-Punk nennen…”

Die Musik, die die Jungs von Panzerballet zum Besten geben hat mit der Musik klassischer Jazz-Trios in etwa soviel gemein wie die Bild-Zeitung mit objektivem Journalismus. Denn sie versuchen sich an der gewagten Synthese aus Metall und Jazz, “verkrassen” Klassiker der verschiedensten Genre, sei es nun der Pink Panther oder AC/DCs Thunderstruck, alles wird bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, im Tempo variiert, mit akrobatischen Soli untermauert und anschließend einfach frech in den Raum gerotzt. Das Ganze natürlich in einer Lautstärke, die mir die Ohren klingeln ließ!

Vor allen Dingen Gregor Bürger am Saxophon und noch mehr Heiko Jung am Bass wußten zu überzeugen mit ihren fulminant-brachialen Einlagen.

Begleitet wurde ich an diesem Abend von der wie immer bezaubernden Julia, die mir in den musikalischen Pausen von ihrer aktuellen Forschungstätigkeit berichtete, die sie für ihre Doktorarbeit durchführt. Meinen Einwand, daß man Doktorarbeiten traditionell eigentlich erst NACH dem Diplom beginnt wischte sie mit dem unwiderlegbaren Argument vom Tisch, daß sie nunmal aber gerade jetzt für diese Forschung Zeit hätte.

So steht sie also momentan täglich im Labor, führt Experimente durch und versucht der Funktionsweise des Gehirns auf die Spur zu kommen. Sie überprüft eine Theorie, derzufolge häufig genutzte Bahnen im Gehirn im Laufe der Zeit verstärkt werden, bei denen sozusagen eine weitere Spur angebaut wird, um den massenhaften Verkehr besser durchleiten zu können.

Zu diesem Zweck sticht sie auf gut Glück in einige Gehirnzellen hinein, versucht eine funktionierende Verbindung herzustellen, leitet Strom durch die Zellen und misst anschließend nach, wie sich der Durchfluss verändert hat im Laufe des Versuchs. bis die punktierte Zelle irgendwann ihren Geist aufgibt.

Nun wachsen Hirnzellen nicht auf Bäumen, menschliche Hirnzellen schon gar nicht und darum stammen die Zellen auch von freundlich-unterstützenden Lebewesen aus dem Labor: von Ratten.

Besorgte Tierfreunde mögen an dieser Stelle evtl. noch auf Operationen am offenen Gehirn mit anschließender Wiederaufpeppelung hoffen, die triste Realität sieht jedoch anders aus:

Da wird das auserwählte Tierchen mit Äther betäubt, in eine kleine Guillotine gelegt und auf Knopfdruck trennt ein Beil den Kopf sauber vom Körper ab! Anschließend wird das Gehirn von seiner Hülle befreit, von einer hochentwickelten Brotschneidemaschine in feinste Schichten zerteilt, auf Eis gelegt und anschließend von Julia für ihre Experimente benutzt.

Während sie mir von ihren Versuchen erzählte sah ich zum allerersten Mal seit Beginn ihres Studiums ein Funkeln der Begeisterung in ihren Augen. Offensichtlich hat sie sich doch endlich zu dem durchgebissen, was sie wirklich interessiert.

Dass dieser Weg von Rattenleichen gesäumt ist fällt wohl unter die Kategorie collateral damage.

Fröhliche Musik

Manche Leute in meiner näheren Umgebung betrügen sich gerne selbst, reden sich Dinge schön und hören fröhliche Musik um die schlechte Laune zu verbessern. Pahhh! Kleinkriminelle Gefühlserpresser sind das! “Wenn du gut wirst höre ich auch mit dieser fröhlichen Musik auf”.

“GIVE UP – stop dancing & cry”

Dieses Motto hat sich der diesmonatige Themenspartenradiokanal der Seite dublab angenommen (wo es auch noch einen mp3blog und einen themenungebundene Sender und mehr gibt). Lasst euren Gefühlen freien Lauf und genießt die gute Musik!