Archiv für die Kategorie 'Lyrik'

karussellsein

es ist zu hören was du nicht sprichst,

in tauben zungen

unverbundenes gleichgewicht

aus sultanträumen, unter bazaarfeuer geweiht

entwachsen derer steinagaven, bald -

und linkisch ist

an rotgefärbter rabenbucht

das kehlenspeisen

wenn atmen sich ins herz dir frisst

Ho! Ho! Ho!

  • Von drauß’ vom Supermarkt komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
    Allüberall auf den Angebotsplätzen
    Sah ich goldenes Naschwerk sitzen;
    Und droben aus dem Lagertor
    Sah mit großen Augen den Filialleiter hervor;
    Und wie ich so strolcht’ durch den hellen Tann,
    Da rief er mich mit heller Stimme an:
    “Knecht Dennis”, rief er, “alter Gesell,
    Hebe die Beine und spute dich schnell!
    Die Weihnachtssaion fängt nunmehr an,
    Das Lagertor ist aufgetan,
    Alt’ und Junge sollen nun
    Von der Jagd des Konsums nimmermehr ruhn;
    Schon in 15 Wochen flieg ich hinab zur Erden,
    Denn es soll wieder Weihnachten werden!”
    Ich sprach: “O lieber Herre Christ,
    Bitte verschone mich mit diesem Mist;
    Ich kaufe nur, was ich wirklich brauch,
    All der Süßkram macht nen dicken Bauch!”
    - “Hast denn das Angebot nicht gesehn?”
    Ich sprach: “Da wollt ich gleich weitergehn!
    Denn Schoki, Nussnougat mit Mandelkern
    Essen nur dicke Kunden gern.”
    - “Hast denn kein Spekulatius bei dir?”
    Ich sprach: “Das Spekulatius, das bleibt hier;
    Denn die Kunden nur, die verfressenen,
    Zählen keine Kalorien, die vergessenen.”
    Der Filialleiter sprach: “So ists nicht recht;
    Scher dich zur Kasse, du knickriger Knecht!”
  • Von drauß’ vom Supermarkt komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
    Nun sprecht, wie ich’s hierinnen gefunden!
    Sind’s gute Kunden, sind’s böse Kunden?

Jack the Dripper

Meine erste bewußte Begegnung mit Jackson Pollock hatte ich im Metropolitan Museum of Art in New York.

Ein großformatiges Gemälde voll wirrer Linien, Farbkleckse und -tupfen, scheinbar wahllos über die Leinwand verteilt und verspritzt:

Contemplating Pollock

Foto von Tracy Chafin

Für viele Leute ist diese Art der Malerei (man spricht bei dieser Malweise übrigens von Abstraktem Expressionismus) eines der Negativbeispiele moderner Kunst.

Er gestern erntete ich im Gespräch mit einer durchaus kunstsinnigen Freundin einen skeptisch-abwertenden Blick, als ich bemerkte, daß mir die Werke von Jackson Pollock sehr gut gefallen.

In der Tat scheint die Entstehung seiner Kunstwerke auf den ersten Blick sehr befremdlich:

Pollock legte die leeren Leinwände auf den Boden, wanderte um sie herum, ließ die Farbe mit alten, groben Pinseln auf die Leinwand herabtropfen, bei späteren Werken benutzte er sogar Farbeimer, in deren Böden er Löcher bohrte, um die Farbe auf die Leinwand zu bringen.

Einen tieferen Einblick in sein Werk und vor allem in seinen Schaffensprozeß ermöglichte mir der Besuch im Centre Pompidou in Paris. Neben einem seiner Werke lief dort auf einem kleinen Monitor folgender kurze Film, der Pollock beim Malen zeigt:

Man sieht, wie er sich immer weiter in sein Werk hineinsteigert, wie das Malen für ihn immer emotionaler und intensiver wird. Allein die wilde, ungeduldige Geste, mit der er seine Zigarette wegwirft…

Schon im Metropolitan Museum war ich von Pollock fasziniert gewesen, ohne dass ich dafür einen konkreten Grund hätte nennen können. Der Besuch im Centre Pompidou brachte mir Pollock bereits etwas näher, denn nun wußte ich zumindest, wie seine Werke entstanden sind. Doch ich verstand immer noch nicht, warum mich seine Bilder faszinierten, wieso diese Bilder eine emotionale Reaktion bei mir auslösten!

Dies änderte sich erst vor einer knappen Woche beim Besuch des Moderna Museet in Stockholm.

Das dort ausgestellte Bild Jackson Pollocks gehört meiner Einschätzung nach noch nicht einmal zu seinen besten Werken, neue Erkenntnisse oder emotionale Reaktionen brachte es mir darum nicht.

Was mich jedoch vollkommen überwältigte war der herausragende Audiokommentar.

Ein Künstler arbeitet im Grunde niemals im luftleeren Raum, wer einen ihn und sein Werk verstehen möchte, der muss herausfinden in welcher Zeit, unter welchen Umständen er gearbeitet hat. Man muss wissen, wer oder was den Künstler inspiriert und beeindruckt hat, gegen was er aufbegehrte.

Im Falle Pollocks handelt es sich dabei um eine Faszination für die Kultur der Ureinwohner Amerikas, genauer der Navajo-Indianer, die er Anfang der 40er Jahre besuchte und deren Kunst er studierte.

In ihren Zeremonien zeichnen die Navajo über Stunden hinweg hochkomplexe Muster in den Wüstensand. Wenn diese Zeichnungen vollendet sind vollführen sie auf den Motiven ihre heiligen Tänze, zerstören also bei diesen Tänzen die Sandzeichnungen wieder.

Pollock verlegte seine Leinwände auf den Boden, nahm die Farbe und verteilte sie einfach darüber. Einziger Maßstab dafür waren seine eigenen Emotionen, die er auf diese abstrakte Weise ausdrückte.

Daher der Begriff Abstrakter Expressionismus.

Warum ist das für mich nun so faszinierend, so bewegend?

Der Versuch einer Erklärung:

Stellt euch eine Tänzerin vor!

Sie ist allein, unbeobachtet, ihre nackten Füße sind schmutzig vom sandigen Erdboden, auf dem sie sich bewegt. Sie tanzt zu einem Lied, einer Melodie. Jeder Fußtritt, jede Bewegung ihres Körpers ist Ausdruck dessen, was sie fühlt, wenn sie die Musik hört.

Sie kann das, was die Musik in ihr auslöst nicht in Worte fassen, kann es nicht erklären. Sie kann es nur tanzen! Die Musik wird zu Emotion und die Emotion wird verwandelt in Bewegung.

Sie denkt nicht darüber nach, was sie genau tut, sie schaltet ihr bewußtes Denken vollständig aus, gibt sich der Musik und ihren Gefühlen hin. Musik, Emotion und Bewegung verschmelzen zu einem vollständigen Ganzen, zu einer perfekten Harmonie, die die Welt mit Schönheit in ihrer reinsten Form erfüllt!

Stellt euch nunmehr vor, das ganze Universum, alles, was ist, wäre erfüllt von einer grundsätzlichen Melodie des Seins!

Jackson Pollock hat zu dieser Melodie getanzt, das Ergebnis sind seine Bilder.

Begriffen habe ich das erst durch den letzten Satz des Audiokommentars, den ich hier, in stilistisch leicht veränderter Form wiedergeben möchte:

Hinter der Haut der Zeit
lebt jedoch
Pollocks fließendes Jetzt,
für jeden,
der ein Auge dafür hat,
mitzutanzen.

in den jahren

wenn der weltendauer -

sich in sinnlich sehnen hat gehüllt,

fast als wäre lieben immer stetig,

nur in einem herzen arg-gewöhnt.

ich heiße, mich -

willkommen.