dritte woche nikotin- frei.
(es ist als würde ich die wochen einer schwangerschaft zählen.)
dritte woche nikotin- frei.
(es ist als würde ich die wochen einer schwangerschaft zählen.)
Die Solomon R. Guggenheim Foundation, hauptsächlich bekannt durch ihre berühmten Museen in New York und Bilbao, hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank auch in Berlin eine kleine Dependance und zwar direkt Unter den Linden.
Die dortige Galerie ist mit 510 m² relativ klein, beherbergt darum auch keine permanente Kollektion, sondern zeigt über das Jahr verteilt mehrere Ausstellungen mit vielfach auch sehr divergierenden Themen und Schwerpunkten.
Zur Zeit kann man dort die Ausstellung Picturing America besichtigen, die den Fotorealismus der 60er und 70er Jahre in den USA zum Thema hat.
‘Picturing America – Fotorealismus der 70er Jahre’ weiterlesen
Es ist Donnerstag, d.h. freier Eintritt in sämtlichen staatlichen Museen in Berlin 4 Stunden vor Schließung.
Um auf kostengünstige Art und Weise meinen Horizont mal wieder etwas zu erweitern beschloss ich darum zu den Museen in Dahlem, direkt bei der Freien Universität zu fahren.
Unter einem (großen) Dach versammeln sich dort das Ethnologische Museum, das Museum der Europäischen Kulturen sowie das Museum für asiatische Kunst. Letzteres wollte ich heute erkunden.
This is the tragic story of Blanca. Blanca loves art. This is troublesome, because Blanca doesn’t understand a thing about art.

Der große Vorteil, wenn im Haus gerade das Dach ausgebaut wird und man am Wochenende die großen leeren Räume in ein kleines Studio umfunktionieren kann. Jetzt bräuchte ich nur noch ein interessanteres Modell.
Meine erste bewußte Begegnung mit Jackson Pollock hatte ich im Metropolitan Museum of Art in New York.
Ein großformatiges Gemälde voll wirrer Linien, Farbkleckse und -tupfen, scheinbar wahllos über die Leinwand verteilt und verspritzt:
Foto von Tracy Chafin
Für viele Leute ist diese Art der Malerei (man spricht bei dieser Malweise übrigens von Abstraktem Expressionismus) eines der Negativbeispiele moderner Kunst.
Er gestern erntete ich im Gespräch mit einer durchaus kunstsinnigen Freundin einen skeptisch-abwertenden Blick, als ich bemerkte, daß mir die Werke von Jackson Pollock sehr gut gefallen.
In der Tat scheint die Entstehung seiner Kunstwerke auf den ersten Blick sehr befremdlich:
Pollock legte die leeren Leinwände auf den Boden, wanderte um sie herum, ließ die Farbe mit alten, groben Pinseln auf die Leinwand herabtropfen, bei späteren Werken benutzte er sogar Farbeimer, in deren Böden er Löcher bohrte, um die Farbe auf die Leinwand zu bringen.
Einen tieferen Einblick in sein Werk und vor allem in seinen Schaffensprozeß ermöglichte mir der Besuch im Centre Pompidou in Paris. Neben einem seiner Werke lief dort auf einem kleinen Monitor folgender kurze Film, der Pollock beim Malen zeigt:
Man sieht, wie er sich immer weiter in sein Werk hineinsteigert, wie das Malen für ihn immer emotionaler und intensiver wird. Allein die wilde, ungeduldige Geste, mit der er seine Zigarette wegwirft…
Schon im Metropolitan Museum war ich von Pollock fasziniert gewesen, ohne dass ich dafür einen konkreten Grund hätte nennen können. Der Besuch im Centre Pompidou brachte mir Pollock bereits etwas näher, denn nun wußte ich zumindest, wie seine Werke entstanden sind. Doch ich verstand immer noch nicht, warum mich seine Bilder faszinierten, wieso diese Bilder eine emotionale Reaktion bei mir auslösten!
Dies änderte sich erst vor einer knappen Woche beim Besuch des Moderna Museet in Stockholm.
Das dort ausgestellte Bild Jackson Pollocks gehört meiner Einschätzung nach noch nicht einmal zu seinen besten Werken, neue Erkenntnisse oder emotionale Reaktionen brachte es mir darum nicht.
Was mich jedoch vollkommen überwältigte war der herausragende Audiokommentar.
Ein Künstler arbeitet im Grunde niemals im luftleeren Raum, wer einen ihn und sein Werk verstehen möchte, der muss herausfinden in welcher Zeit, unter welchen Umständen er gearbeitet hat. Man muss wissen, wer oder was den Künstler inspiriert und beeindruckt hat, gegen was er aufbegehrte.
Im Falle Pollocks handelt es sich dabei um eine Faszination für die Kultur der Ureinwohner Amerikas, genauer der Navajo-Indianer, die er Anfang der 40er Jahre besuchte und deren Kunst er studierte.
In ihren Zeremonien zeichnen die Navajo über Stunden hinweg hochkomplexe Muster in den Wüstensand. Wenn diese Zeichnungen vollendet sind vollführen sie auf den Motiven ihre heiligen Tänze, zerstören also bei diesen Tänzen die Sandzeichnungen wieder.
Pollock verlegte seine Leinwände auf den Boden, nahm die Farbe und verteilte sie einfach darüber. Einziger Maßstab dafür waren seine eigenen Emotionen, die er auf diese abstrakte Weise ausdrückte.
Daher der Begriff Abstrakter Expressionismus.
Warum ist das für mich nun so faszinierend, so bewegend?
Der Versuch einer Erklärung:
Stellt euch eine Tänzerin vor!
Sie ist allein, unbeobachtet, ihre nackten Füße sind schmutzig vom sandigen Erdboden, auf dem sie sich bewegt. Sie tanzt zu einem Lied, einer Melodie. Jeder Fußtritt, jede Bewegung ihres Körpers ist Ausdruck dessen, was sie fühlt, wenn sie die Musik hört.
Sie kann das, was die Musik in ihr auslöst nicht in Worte fassen, kann es nicht erklären. Sie kann es nur tanzen! Die Musik wird zu Emotion und die Emotion wird verwandelt in Bewegung.
Sie denkt nicht darüber nach, was sie genau tut, sie schaltet ihr bewußtes Denken vollständig aus, gibt sich der Musik und ihren Gefühlen hin. Musik, Emotion und Bewegung verschmelzen zu einem vollständigen Ganzen, zu einer perfekten Harmonie, die die Welt mit Schönheit in ihrer reinsten Form erfüllt!
Stellt euch nunmehr vor, das ganze Universum, alles, was ist, wäre erfüllt von einer grundsätzlichen Melodie des Seins!
Jackson Pollock hat zu dieser Melodie getanzt, das Ergebnis sind seine Bilder.
Begriffen habe ich das erst durch den letzten Satz des Audiokommentars, den ich hier, in stilistisch leicht veränderter Form wiedergeben möchte:
Hinter der Haut der Zeit
lebt jedoch
Pollocks fließendes Jetzt,
für jeden,
der ein Auge dafür hat,
mitzutanzen.
True (or at least successful) art has to be mind-boggling. To see some, continue to read.
Wenn ich groß reich berühmt Tischler bin, möchte ich mal diesen Schreibtisch haben. Selbstgebaut natürlich.

Foto von dalbera
Entworfen von Henry van de Velde (1898-99). Klassischer Jugendstil, wie ja nicht zu übersehen ist. Gesehen im Musée d’Orsay in Paris. Beeindruckend schön. Auch die anderen Jugendstilmöbel dort. Wobei ein ganzes Haus voll davon dann doch schnell zuviel werden würde. Mir ging nach der 5ten Sitzkombination und Bett im dem Stil dann doch die Pflanzerei aufs Gemüt. Klare gerade minimalistische Formen sind doch entspanneder. Oder eben dieser Schreibtisch in einem Bauhaus-Haus.
Ich glaube, ich habe in der letzten Woche mehr Bilder von Jesus gesehen als in meinem gesamten bisherigen Leben. Die Uffizien, das Museo San Marco, mehrere Kirchen, der Louvre, sie alle sind voll von Jesusbildern!
Das Resultat ist eindeutig:
ICH KANN DEN KERL NICHT MEHR SEHEN!
Noch eine Anbetung der Könige oder der Hirten, eine Kreuzigung, eine Pietà, eine Madonna mit dem Kind, ein Abendmahl, eine Hochzeit zu Kanaa, Bergpredigt oder weiß der Geier was und ich konvertier zum Islam!
Glücklicherweise ist beim heutigen Besuch des Musée d’Orsay diese Gefahr eher gering.
Nochmal Glück gehabt…
Der Potsdamer Platz in Berlins Mitte:
Mythenumrankter Knotenpunkt; zerrissenes Grenzland; heißdiskutiertes Architekten-Eldorado; größte Baustelle der Welt; handzahme Touristenfalle; kommerzieller Reinfall
Die großen Konzerne, die mit viel Tamtam die Gebäudekomplexe hochgezogen haben ziehen so langsam alle wieder ab (Daimler hat schon verkauft, Sony plant dies), neue Mieter finden sich nur langsam und am direkt anschließenden Leipziger Platz verbreiten schon seit Jahren große, mit Planen überspannte Gerüste die klägliche Illusion eines geschlossenen Platzes.
Die Hypovereinsbank hatte vor kurzem genug vom andauernden Leerstand in ihren Park Kolonnaden und wagte sich an ein neues Konzept, um die Räumlichkeiten mit Leben zu füllen und überließ die Räumlichkeiten der USB art consult GmbH, die dort seit dem 25. Mai die Expressionale veranstaltet.
Im Mittelpunkt der dreimonatigen Ausstellung steht die Sammlung Karsch-Nierendorf, aus der 150 verschiedene Werke von Künstlern wie Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Christian Rohlfs und Josef Scharl in einem eigens aufgestellten Pavillon ausgestellt werden.
In einer weiteren Sonderaustellung werden Bilder von George Grosz gezeigt, in einem extra abgetrennten Bereich Bilder unter dem Motto George Grosz und die Erotik.
Wer unter dieser Bezeichnung nun romantische Verklärungen und sehnsuchtsvolle Schmachtbilder erwartet sollte spätestens beim Warnhinweis FSK 18 vor Betreten des Raumes wieder in die Groszsche Realität zurückgeholt werden, denn die Bilder sind in der Tat nichts für sanfte Gemüter, hier hat Grosz seine innersten Phantasien auf Leinwand gebannt.
Prall erigierte, überdimensionale Penisse an erregten Zwittern, schamlose Aktmodelle, die sich willig dem Maler hingeben; es tropft, es spritzt und ein kollektives Aufstöhnen scheint über dem Raum zu liegen.
Museen würden diese Bilder vermutlich nicht mit der Kneifzange anfassen und das ideale Umfeld scheint mir auch eher ein Bordell der 20er oder 30er Jahre zu sein.
Grosz haben seine Bilder übrigens häufig Probleme mit der Justiz eingebracht, seien es nun Prozesse wegen Gotteslästerung, Beleidigung der Reichswehr oder Angriff auf die öffentliche Moral.
Allein seine Bilder hätten den Besuch schon gelohnt!
Doch zusätzlich zu den Bildern und Skulpturen der Austelleung umfasst die Expressionale weitere Ausstellungsflächen mit Skulpturen von Joachim Karsch sowie Gerhardt Marcks, ein weiterer Raum mit Druckgrafiken von Franz Hitzler und Bernd Zimmer sowie als Schwenk zur zeitgenössischen Kunst Einzelaustellungen mit Werken von Louise Christine Thiele (Skulptur) und Rolf Händler (Malerei).
Deren Werke kann man auch ohne Eintritt besichtigen, denn sie sind mehr Galerie als Ausstellung: Sämtliche Objekte können käuflich erworben werden.
All diese Werke haben ihren eigenen Charakter und sind doch auf die eine oder andere Weise miteinander verknüpft.
So haben die Künstler der 20er Jahre vielfach in ihrem künstlerischen Schaffen zunächst als Architekten angefangen, sind dann jedoch zu der Überzeugung gelangt, daß man nur mit Malerei die Welt verändern und eine Revolution vorantreiben könnte.
Hitzler und Zimmer wiederum, beide ‘68er sind mit exakt derselben Begründung den umgekehrten Weg gegangen und haben sich der Architektur zugewandt, wie mir die sehr freundliche und interessierte Aufsicht erklärte.
Der Höhepunkt dieser Ausstellung war jedoch die Besichtigung der Skulpturen von Louise Christine Thiele.
Ich denke, daß jedem das Bedürfnis bekannt ist, Kunst nicht nur optisch (oder auch akustisch) zu erfahren, sondern das Gehirn giert regelrecht auch nach einer haptischen Wahrnehmung.
Man möchte vor allem Skulpturen unbedingt berühren, möchte die Form der Köper nachstreichen, die Oberflächenbeschaffenheit fühlen, kalter Marmor, feste Bronze, lebendiges Holz…
Louise Christine Thiele kennt offensichtlich dieses Bedürfnis und fördert die Auslebung dieses Bedürfnisses mit ihrer Kunst. Denn Anfassen ist bei ihren Skulpturen nicht nur erlaubt und toleriert, es ist gewünscht!
Im Grunde auch eine gute Verkaufsmethode, denn die Berührung fördert die emotionale Verbundenheit mit den Werken, schaltet somit das rationale Denken aus und nach einer halben Stunde der Besichtigung erscheinen auch 16.000€ für eine kleine Bronzestatue plötzlich nicht mehr so viel zu sein.
Nach exakt demselben Prinzip funktionieren übrigens Marken im Konsumbereich.
Sehr intensiv nahegebracht wurde mir diese Ausstellung übrigens von einem hübschen Lockenkopf namens Maria, mit der ich eine gute dreiviertel Stunde angeregt über die Skulpturen, die Künstlerin, über das Berühren von Kunstwerken und noch so mancherlei anderen Kram plauderte.
Wohl zum allerersten Mal verließ ich eine Ausstellung mit einem Lächeln im Gesicht, auch wenn dieses Lächeln nur teilweise mit der gezeigten Kunst zusammenhing…
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Die Expressionale kann noch bis zum 24. August in den Park Kolonnaden am Potsdamer Platz Montags bis Sonntags in der Zeit von 10.00 – 22.00 Uhr besichtigt werden.
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