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Berlin, 20. September 2008:

Während ich wie üblich zur Tour aufbreche rings um uns herum großes Gewusel, geschwenkte Flaggen, kleinere und größere Grüppchen, die sich zusammenfinden und an uns vorbeiziehen. Namen und Symbole linksorientierter Parteien und Gruppierungen werden geschwenkt, immer wieder unterbrochen von der Regenbogenflagge mit dem weißen PACE – Aufdruck.

Eine recht große Friedensdemonstration zieht durch die Innenstadt und kreuzt dabei leider auch mehrmals unseren Weg.

Am Gendarmenmarkt scheint der Endpunkt des Demonstrationszuges zu sein, eine große Bühne ist aufgebaut und beschallt den Platz mit Bob Marley, kleine Stände sind aufgebaut, auf denen vor allem linke Lektüre (Marx ist Muss!) verteilt wird, zwei alte Frauen halten Bilder hoch, auf denen eine leidgeplagte Frau weinend einen Grabstein umklammert.

Friedensdemonstrationen an sich genießen durchaus meine Sympathie, nur dass sie als Medium zur linken Propaganda benutzt werden bereitet mir ziemliche Bauchschmerzen. Für mich ist Marx nicht Muss, sondern im Gegenteil nur Stuss, die inhaltliche Verknüpfung zur Idee der Friedensbewegung ist in meinen Augen nicht gegeben, wenn alles in einen Topf geschüttet wird kommt daher ein ziemlich ungenießbares Gebräu als Ergebnis heraus.

Wir verlassen den Gendarmenmarkt gerade noch rechtzeitig, bevor der große Demonstrationszug auf dem Platz ankommt, ich muss nicht mehr gegen Bob Marley anschreien und freundlicherweise sind die Straßen ringsherum für den Autoverkehr gesperrt, so daß wir flott weitergehen können.

Kurz vor dem Bebelplatz werden einige versprengte Häufchen von Demonstranten von einer losen Polizeikette freundlich, aber bestimmt in Richtung Gendarmenmarkt gedrängt. Während ich noch überlege, ob ich genauer hinhören möchte, was die Leute da skandieren (einzig der Reim Staat / Patriarchat erreicht bewußt mein Gehirn) spricht mich einer der Herren in Grün bereits an, wo wir denn bitteschön hinwollen, doch bevor ich noch recht antworten konnte fällt der Blick seines Kollegen bereits auf mein Namensschild und wir werden als harmlose Touristengruppe erkannt und auf den Platz gelassen.

Diese Vorlage nutze ich, um meiner belustigten Gruppe kurz ein paar grundlegende Dinge über Gruppendynamik zu erzählen, z.B. die Tatsache, daß ab etwa 11 Personen Menschen anfangen als Gruppe zu denken und zu handeln und nur noch vermindert als Individuen agieren, was die Grundlage dafür ist, daß aus friedlichen Demonstrationen plötzlich blutrünstige Mobs werden und dass ein geschickter Anheizer/Propagandist/Führer dies bewußt zu lenken und zu steuern vermag, was die Grundlage der großen totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts gewesen ist.

Hört man sich heute eine aufgezeichnete Rede Adolf Hitlers an wundert man sich, wie Zeitzeugen vom großen Charisma des Führers schwärmen konnten. In einer Masse mehrerer tausend Menschen hatten seine Reden aber nunmal eine ganz andere Wirkung.

Um meine Aussagen zu unterstreichen und zu belegen probiere ich mein Führer-Charisma sogleich einmal aus und hetze meine Gruppe dazu auf, die verschandelnde Bionade-Werbung vom Gerüst an der ehemaligen Königlichen Bibliothek herunterzureißen.

Zu meinem Bedauern rennen die Leute aber nicht los, sondern brechen nur in lautes Gelächter aus.

Da muss ich wohl nochmal ein bißchen dran arbeiten…

Ho! Ho! Ho!

  • Von drauß’ vom Supermarkt komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
    Allüberall auf den Angebotsplätzen
    Sah ich goldenes Naschwerk sitzen;
    Und droben aus dem Lagertor
    Sah mit großen Augen den Filialleiter hervor;
    Und wie ich so strolcht’ durch den hellen Tann,
    Da rief er mich mit heller Stimme an:
    “Knecht Dennis”, rief er, “alter Gesell,
    Hebe die Beine und spute dich schnell!
    Die Weihnachtssaion fängt nunmehr an,
    Das Lagertor ist aufgetan,
    Alt’ und Junge sollen nun
    Von der Jagd des Konsums nimmermehr ruhn;
    Schon in 15 Wochen flieg ich hinab zur Erden,
    Denn es soll wieder Weihnachten werden!”
    Ich sprach: “O lieber Herre Christ,
    Bitte verschone mich mit diesem Mist;
    Ich kaufe nur, was ich wirklich brauch,
    All der Süßkram macht nen dicken Bauch!”
    - “Hast denn das Angebot nicht gesehn?”
    Ich sprach: “Da wollt ich gleich weitergehn!
    Denn Schoki, Nussnougat mit Mandelkern
    Essen nur dicke Kunden gern.”
    - “Hast denn kein Spekulatius bei dir?”
    Ich sprach: “Das Spekulatius, das bleibt hier;
    Denn die Kunden nur, die verfressenen,
    Zählen keine Kalorien, die vergessenen.”
    Der Filialleiter sprach: “So ists nicht recht;
    Scher dich zur Kasse, du knickriger Knecht!”
  • Von drauß’ vom Supermarkt komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
    Nun sprecht, wie ich’s hierinnen gefunden!
    Sind’s gute Kunden, sind’s böse Kunden?

WG-Tip

Kleiner Tip für das friedliche WG-Leben, abgeschaut in Kopenhagen: Mit Namen gekennzeichnete Wäscheklammern werden in der Küche zur Verfügung gestellt und an dreckiges Geschirr geklemmt, wenn es nicht sofort abgewaschen wird. So weiß man von wem es ist, und das sich derjenige bewußt ist, daß er es noch abwaschen muß. So wäscht jeder seins ab und alle sind glücklich und haben sich lieb.

Das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Backpacker

Wir hielten uns von Sonntag bis Mittwoch abend in Manchester im Hatters Hostel auf.

Egal zu welcher Uhrzeit wir in den Aufenthaltsraum des Hostels kamen, immer saß dort ein junger Italiener mit einem Freund und flirtete (scheinbar auch recht erfolgreich) mit möglichst allen anwesenden Frauen. Etwas anderes schien er nicht zu tun.

Man merkte schnell, daß er sich als Platzhirsch ansah, als Alphamännchen.

Heute, am letzten Tag hatten sich 2 deutsche Mädels an den Nebentisch im Aufenthaltsraum gesetzt und wie das bei gleichsprachigen Touristen nunmal so ist, wir kamen ins Gespräch, die gemeinsame Sprache zugleich erstes Verbindungsglied.

Georg fing das Gespräch an, ich stieg auch mit ein und bald darauf redeten wir mit den zu diesem Zeitpunkt einzigen beiden Mädchen im Raum. Nun waren sie beiweitem nicht die hübschesten oder interessantesten Mädchen im Hostel, doch in diesem Moment gab es eben keine anderen Frauen, mit denen sich unser Italian Stallion hätte die Zeit vertreiben lassen können.

Die Bühne für die Menschliche Komödie war bereitet:

Langsam erhob er sich von seinem Sofa und schlenderte gelangweilten Blickes durch den Raum in Richtung Küche. Beim Vorbeigehen versuchte er wie nebenbei ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, was ihm jedoch nicht gelang.

Nun war sein Ehrgeiz geweckt, er konnte gar nicht mehr anders, als ihre Aufmerksamkeit von uns ab- und auf ihn selbst hinzulenken.

Dabei ging er ganz präzise und zielgerichtet vor, man war der Überzeugung einer Medienbeilage eines Lehrbuch zum Aufreißen zuzuschauen.

Also drängelte er sich zwischen uns hindurch, setzte sich direkt neben eines der Mädels und versuchte das Gespräch an sich zu ziehen mit ein paar Sprüchen.

Da wir auch nicht sehr engagiert im Gespräch waren und ich sogar viel faszinierter von dem gebotenen Schauspiel war hielten wir nicht gegen und überließen ihm das Feld.

Also scherzte und flirtete er, was das Lehrbuch hergab bis plötzlich das spanische Mädchen, mit dem er die letzten Tage (und möglicherweise auch Nächte) verbracht hatte, in den Aufenthaltsraum kam, so dass er sich plötzlich auch noch mit anderen Leuten unterhalten musste, um im absoluten Zentrum der Aufmerksamkeit zu bleiben.

Zunächst verlor er die Aufmerksamkeit der beiden Mädels, die sich dann wieder mit uns beiden unterhielten und dann verließ auch das bewußte spanische Mädchen den Raum, so daß er sich wieder außerhalb jedweder Konversation fand und sich mit einem Freund unterhielt.

Die beiden Mädels fingen an ihre Sachen umzupacken und um sich wieder in den Mittelpunkt legte er sich einfach einmal quer über ihre auf dem Boden verteilten Sachen, was sie mit gespielt empörten Gekicher quittierten.

Doch da das spanische Mädchen bald darauf in den Raum zurückkehrte stand er bald darauf wieder auf, schnappte sich seine Gitarre und fing an auf ihr herumzuklimpern bis er wieder ihre Aufmerksamkeit errungen hatte.

Da war die Welt also wieder in Ordnung und er konnte ganz entspannt einen weiteren Abend seines Lebens verschleudern…

Falls ihr euch fragen solltet:

Ja, ich schaue mir gern das Balzverhalten von Tieren im Zoo und in freier Wildbahn an…

Nass in den Tag

Mit einem stimmungsvollen Soundtrack im Ohr (in diesem Fall die Winterreise) mit dem Rad durch den Regen hat seinen Charme. Man wird nass, doch das Gefühl etwas tolles erlebt zu haben entschädigt. Wie leicht man sich doch täuschen lässt.

jungs?

gefällt es einem jungen mann, auf sein zauberhaftes lächeln angesprochen zu werden, obwohl man sich garnicht kennt?

es sei dabei das wirkliche ziel zu beachten: eine positive antwort auf die frage zu erhalten, ob man nicht mal einen kaffee zusammen trinken möchte?

dabei wiederum sei zu beachten: das ganze spielt sich in einer espressobar ab, in der erstens; ich arbeite und in der zweitens; ich ihm den kaffee bereits zubereite…

“ma uffn tee, wir zwee?”

?

Metalljazz und guillotinierte Ratten

Kein einziger Ton entwich aus dem dreifach schallisolierten kleinen Jazzclub im Herzen von Westberlin, einzig die leicht gedämpften Geräusche der Großstadt drang an diesem Donnerstag abend ans Ohr.

Doch auf der anderen Seite der großen Fenster war die Hölle los!

Denn dort standen neben großen Verstärkern Panzerballet auf der Bühne und brachten ihr Publikum mit dem auf Trab, was Jan Zehrfeld, der Kopf der Truppe, zu Beginn des Konzertes als ‘Wellness-Death-Jazz’ eingeordnet hatte. “Man könnte es auch Lounge-Punk nennen…”

Die Musik, die die Jungs von Panzerballet zum Besten geben hat mit der Musik klassischer Jazz-Trios in etwa soviel gemein wie die Bild-Zeitung mit objektivem Journalismus. Denn sie versuchen sich an der gewagten Synthese aus Metall und Jazz, “verkrassen” Klassiker der verschiedensten Genre, sei es nun der Pink Panther oder AC/DCs Thunderstruck, alles wird bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, im Tempo variiert, mit akrobatischen Soli untermauert und anschließend einfach frech in den Raum gerotzt. Das Ganze natürlich in einer Lautstärke, die mir die Ohren klingeln ließ!

Vor allen Dingen Gregor Bürger am Saxophon und noch mehr Heiko Jung am Bass wußten zu überzeugen mit ihren fulminant-brachialen Einlagen.

Begleitet wurde ich an diesem Abend von der wie immer bezaubernden Julia, die mir in den musikalischen Pausen von ihrer aktuellen Forschungstätigkeit berichtete, die sie für ihre Doktorarbeit durchführt. Meinen Einwand, daß man Doktorarbeiten traditionell eigentlich erst NACH dem Diplom beginnt wischte sie mit dem unwiderlegbaren Argument vom Tisch, daß sie nunmal aber gerade jetzt für diese Forschung Zeit hätte.

So steht sie also momentan täglich im Labor, führt Experimente durch und versucht der Funktionsweise des Gehirns auf die Spur zu kommen. Sie überprüft eine Theorie, derzufolge häufig genutzte Bahnen im Gehirn im Laufe der Zeit verstärkt werden, bei denen sozusagen eine weitere Spur angebaut wird, um den massenhaften Verkehr besser durchleiten zu können.

Zu diesem Zweck sticht sie auf gut Glück in einige Gehirnzellen hinein, versucht eine funktionierende Verbindung herzustellen, leitet Strom durch die Zellen und misst anschließend nach, wie sich der Durchfluss verändert hat im Laufe des Versuchs. bis die punktierte Zelle irgendwann ihren Geist aufgibt.

Nun wachsen Hirnzellen nicht auf Bäumen, menschliche Hirnzellen schon gar nicht und darum stammen die Zellen auch von freundlich-unterstützenden Lebewesen aus dem Labor: von Ratten.

Besorgte Tierfreunde mögen an dieser Stelle evtl. noch auf Operationen am offenen Gehirn mit anschließender Wiederaufpeppelung hoffen, die triste Realität sieht jedoch anders aus:

Da wird das auserwählte Tierchen mit Äther betäubt, in eine kleine Guillotine gelegt und auf Knopfdruck trennt ein Beil den Kopf sauber vom Körper ab! Anschließend wird das Gehirn von seiner Hülle befreit, von einer hochentwickelten Brotschneidemaschine in feinste Schichten zerteilt, auf Eis gelegt und anschließend von Julia für ihre Experimente benutzt.

Während sie mir von ihren Versuchen erzählte sah ich zum allerersten Mal seit Beginn ihres Studiums ein Funkeln der Begeisterung in ihren Augen. Offensichtlich hat sie sich doch endlich zu dem durchgebissen, was sie wirklich interessiert.

Dass dieser Weg von Rattenleichen gesäumt ist fällt wohl unter die Kategorie collateral damage.

Fröhliche Musik

Manche Leute in meiner näheren Umgebung betrügen sich gerne selbst, reden sich Dinge schön und hören fröhliche Musik um die schlechte Laune zu verbessern. Pahhh! Kleinkriminelle Gefühlserpresser sind das! “Wenn du gut wirst höre ich auch mit dieser fröhlichen Musik auf”.

“GIVE UP – stop dancing & cry”

Dieses Motto hat sich der diesmonatige Themenspartenradiokanal der Seite dublab angenommen (wo es auch noch einen mp3blog und einen themenungebundene Sender und mehr gibt). Lasst euren Gefühlen freien Lauf und genießt die gute Musik!

Russisch-Solitär

Einmal im Halbjahr wird Russisch-Solitär gespielt. Alle Angestellten eines Betriebs treten in einem Solitär-Wettbewerb gegeneinander an. Der Gewinner bekommt eine Kaffeemaschine und die Kündigung.

Doppelte Dummheit

Vor wenigen Tagen stellte ich kurz nach Verlassen meiner Wohnung erschrocken fest, daß ich meine Portemonaie auf meinem Schreibtisch liegengelassen hatte. Da dieses nämlich seit einiger Zeit aus allen Nähten zu platzen drohte hatte ich es mal wieder durchforstet, alte Studienausweise, Rechnungen und sonstigen Krimskrams entfernt.

Ich war ein wenig in Eile, drohte bereits zum Staff Meeting meiner Firma zu spät zu kommen und entschied mich deswegen dagegen, noch einmal den Weg zurück und die Treppen nach oben zu laufen, wodurch ich garantiert meine Bahn verpasst hätte.

Für gewöhnlich werde ich in den Berliner Bahnen höchstens einmal im Monat kontrolliert, ich machte mir also keinerlei Sorgen, machte es mir in der Bahn gemütlich, las mein Buch und dachte nichts Böses. Auf der Hinfahrt hatte ich auch keinerlei Probleme, auf der Rückfahrt hatte ich mein Mißgeschick bereits wieder vergessen, telefonierte in der Bahn mit einer Freundin als mich eine durch den Zug gerufene Aufforderung in die triste Realität zurückschleuderte:

“Schönen guten Tag, die Fahrausweise einmal bitte!”

Die statistische Wahrscheinlichkeit, daß ich einmal sowohl meinen Fahrausweis nicht dabei habe als auch kontrolliert werde geht ziemlich gegen 0. Traue niemals einer Statistik!

Alles halb so wild sollte man meinen, schließlich kann man ja den Ausweis nachträglich im Büro vorzeigen. Zähneknirschend erfuhr ich jedoch, daß eben jenes Büro (natürlich) am anderen Ende der Stadt liegt.

Als ob ich die nächsten Tage nichts Besseres zu tun hätte…

Ein paar Euronen würde die ganze Angelegenheit natürlich trotzdem noch kosten.

Als mir dann mittem im Supermarkt, in dem ich mir für den nächsten Morgen noch eine Packung Milch kaufen wollte, kurz vor der Kasse auch noch bewußt wurde, daß ein vergessenes Portemonaie ebenfalls bedeutete, daß ich kein Geld dabei hatte, war der Abend endgültig für mich gelaufen!

Doch damit endet der Spaß selbstverständlich noch nicht!

Am selben Abend steckte ich mein Portemonaie wieder ein und in den nächsten Tage fühlte ich mich vollkommen sicher. So war ich denn auch vollkommen entspannt, als heute morgen in der U-Bahn wiederum eine Kontrolle durchgeführt wurde.

Flink zückte ich mein Portemonaie, zog das Semesterticket locker-lässig etwas hervor und hielt es dem Kontrolleur entgegen, ohne auch nur von meiner Lektüre aufzusehen.

“Das ist aber das Ticket vom Sommersemester, haben Sie auch ein gültiges Ticket?”

Vollkommen verduzt starrte ich den Kontrolleur und anschließend mein Semesterticket an: Tatsächlich, das war das alte, abgelaufene Ticket. Das aktuelle war nirgendwo in meinem Portemonaie zu finden!

Ganz offensichtlich hatte ich das falsche Ticket ausgepackt (und womöglich weggeschmissen), als ich vor wenigen Tagen ausgemistet hatte.!

Freudestrahlend nahm ich also meinen zweiten Bußgeldschein innerhalb weniger Tage entgegen und auch der freundliche Hinweis, daß ich mein Ticket im Büro nachzeigen könnte war nicht wirklich hilfreich, um meine Laune zu heben.

“Na zumindest kann ich beide Angelegenheiten auf einen Schlag erledigen!” dachte ich noch still bei mir.

Pustekuchen! Ganz offensichtlich wird das Inkasso von S- und U-Bahn in Berlin nämlich von verschiedenen Büros erledigt, den zum Vorzeigen meines Tickets wurde ich wiederum in einen anderen Teil von Berlin zitiert.

Das viel größere Problem war allerdings: Ich war mir nicht sicher, ob ich das gültige Ticket überhaupt noch habe! Denn es war durchaus möglich, daß ich es einfach in den Müll geworfen hatte – den wiederum hatte ich am Vortag erst in die Mülltonne im Hof entleert!

Die ganze Tour über spukten in meinem Kopf Szenen herum, wie ich auf Knien kriechend darum betteln würde, daß mir geglaubt werden solle, daß alles nur ein Mißgeschick gewesen sei und ich doch bitte von der Zahlung des Bußgeldes verschont bleibe solle – obwohl ich kein aktuell gültiges Ticket vorweisen könne.

Kaum zurück in der Wohnung stürzte ich zu meinem Schreibtisch, durchwühlte die herumliegenden Stapel – und wurde glücklicherweise fündig!

Jetzt muss ich also NUR NOCH stundenlang durch die Stadt fahren, Verwaltungskosten in niedriger zweistelliger Höhe entrichten und kann mich anschließend wohlig zurücklehnen und ganz entspannt meine elendige Dummheit verfluchen – es hätte schließlich auch alles noch viel schlimmer kommen können…