Picturing America – Fotorealismus der 70er Jahre

Die Solomon R. Guggenheim Foundation, hauptsächlich bekannt durch ihre berühmten Museen in New York und Bilbao, hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank auch in Berlin eine kleine Dependance und zwar direkt Unter den Linden.

Die dortige Galerie ist mit 510 m² relativ klein, beherbergt darum auch keine permanente Kollektion, sondern zeigt über das Jahr verteilt mehrere Ausstellungen mit vielfach auch sehr divergierenden Themen und Schwerpunkten.

Zur Zeit kann man dort die Ausstellung Picturing America besichtigen, die den Fotorealismus der 60er und 70er Jahre in den USA zum Thema hat.

Richard Estes

Foto: herzeleyd

Als Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus der 50er und 60er Jahre (siehe dazu evtl. meinen schon etwas älteren Artikel zu Jackson Pollock) entwickelte sich in den USA neben der PopArt der Fotorealismus.

Auch wenn sie keine einheitliche Strömung bildeten und sich der Etikettierung als Fotorealisten sogar häufig entzogen war doch zumindest die Vorgehensweise der Künstler ähnlich, denn sie malten sehr detailreiche, realistische Bilder nach fotografischen Vorlagen, häufig großformatige Bilder und praktisch immer Szenen und Dinge des Alltagslebens.

Aufwand und Detailreichtum gehen dabei häufig so weit, daß man erst auf den zweiten oder dritten Blick sicher sagen kann, daß es sich wirklich nicht um eine Fotografie handelt, sondern wie beim obigen Bild um ein Gemälde. Häufig werden reflektierende Oberflächen dargestellt, Schaufenster und Telefonzellen in New York, bei deren Anblick man erst einige Sekunden irritiert ist, bis das Auge sämtliche reflektierten Bildebenen durchdrungen hat.

Die Bilder, die einfach nur New Yorker Straßenszenen darstellten erzeugten bei mir sogar Sehnsucht, diese großartige Stadt einmal wieder zu besuchen.

Im Gegensatz zu früheren Ausstellungen, die ich im Deutsche Guggenheim besuchte, herrschte heute ein ziemlich großer Andrang, was mit Sicherheit allerdings auch daran lag, daß das Guggenheim in seiner Aktion ‘I like Mondays’ montags freien Eintritt gewährt. Mit steigenden Besucherzahlen steigt natürlich auch die Anzahl derer, die die Bilder abfotografieren während ihres Rundganges.

Ob sie sich der Ironie bewußt waren, daß sie Fotografien von Bildern machten, die auf Fotografien beruhten?

Mein Fazit: Eine kleine, feine Ausstellung, die man sich bevorzugt an einem Montag ansehen sollte, da montags sowieso die meisten Berliner Museen ihren Ruhetag haben sowie der Eintritt kostenfrei ist.

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Die Ausstellung Picturing America findet noch bis zum 10.5.09 im Deutschen Guggenheim in der Straße Unter den Linden 13/15 statt.

3 Kommentare zu “Picturing America – Fotorealismus der 70er Jahre”


  1. 1 Georg

    Ein Freund meines Vaters ist Maler mit Leib und Seele und ist momentan/inzwischen beim Hyperrealismus angekommen. Das ist echt der Wahnsinn so ein Bild in voller Größe und Detail zu sehen. Zumal er auch Akte malt :P Aber auch solche Alltagsszenen oder Natur. Ich find die Geduld (mal ganz abgesehen vom Können) dabei äußerst bewundernswert.

  2. 2 Corili

    wie heißt den der malende Freund deines Vaters? Würde mir gerne mal seine Werke anschauen!

  3. 3 mulliner

    Wirklich eine sehr sehenswerte Ausstellung. Die Bilder verleiten auch sehr dazu, sie abzufotografieren – ein Foto von einem Gemälde nach einem Foto – spätestens da müsste klar werden, dass nicht mehr viel “Realismus” drinsteckt…
    http://mulliner.wordpress.com/2009/04/07/picturing-america-fotorealismus-der-70er-jahre-deutsche-guggenheim-berlin/

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