Was für ein schöner Montag!

Heute morgen gegen 9.20 Uhr warf ich einen spontanen Blick auf meinen Kontostand bei der Commerzbank und fiel aus allen Wolken als ich feststellte, daß mein Konto rund 1850€ in den Miesen war!

Eine Überprüfung der Umsätze ergab, daß am vorigen Mittwoch, dem 11.3.09 im Zuge dreier Auszahlungen 2014,96€ in Paris von meinem Konto abgehoben worden waren:

kontoauszug

Während ich noch grübelte wie die Betrüger an meine Daten (vor allem meine Geheimzahl) gekommen sein konnten wurde es aber bereits halb 10 und ich musste los zur Arbeit, hatte also noch nichteinmal die Zeit mich mit der Bank in Verbindung zu setzen.

Nun lagen die Auszahlungen zwar bereits 5 Tage zurück, die Vorstellung jedoch erst in sechs weiteren Stunden etwas dagegen unternehmen zu können ließ die Wut in meinem Magen hell auflodern und so mancher Passant und Mitfahrer in der Bahn warf mir beunruhigte Blicke zu wegen der grimmigen Miene, die ich zur Schau stellte.

Während ich noch auf dem Weg zum Pickup im ersten Hostel war versuchte ich darum meine Kollegen zu erreichen, damit einer von ihnen mir die Tour abnehmen könne:

Stefan war noch nicht wieder in Deutschland.

Matti musste eine andere Tour machen.

Gregor konnte ich nicht erreichen, da sein Handy ausgeschaltet war.

In großartiger Laune schleppte ich also das kleine Häuflein Touristen zum Touren-Startpunkt und stellte mich griesgrämig darauf ein die nächsten Stunden damit zuzubringen fremden Leuten die Stadt näher zu bringen anstatt mich um meine Bankprobleme zu kümmern.

Glücklicherweise fanden sich an diesem Montag morgen nur fünf Leute für die deutsche Tour ein, so dass ich ohne große Gewissensbisse die deutsche Tour absagen und die Leute zur englischen Tour schicken konnte.

Um 11.15 Uhr machte ich mich also wieder auf den Weg nach Hause, rief bei der Bank an, die bereits versucht hatte sich mit mir in Verbindung zu setzen in den letzten Tagen, was aber daran gescheitert war, daß in ihren Unterlagen weder Telefonnummer noch Emailadresse aktuell waren.

Grundlegende Maßnahmen waren, so erfuhr ich, bereits eingeleitet worden, ich musste allerdings ersteinmal zur Polizei gehen und dort Anzeige erstatten, bevor die Bank weiter aktiv werden konnte.

Ich erstellte also schnell noch einen Kontoausdruck mit den fraglichen Auszahlungen, suchte die Adresse des nächsten Polizeirevieres heraus und machte mich auf den Weg dorthin.

Da ich bislang noch nie Opfer eines Verbrechens gewesen bin und somit auch noch nie jemanden angezeigt habe war mir folgende Tatsache gar nicht so recht bewußt:

Auch ein Polizeirevier ist letztlich nur eine Behörde:

Graue Korridore, veraltetes Gerät, rumsitzen und warten, sowie teilweise komische, abgestumpfte Mitarbeiter.

Der einzig wesentliche Unterschied zu nem normalen Amt: Fast jeder trägt ne Knarre am Gürtel.

Meine Anzeige wurde aufgenommen, meine EC-Karte vorsorglich in eine Datenbank aufgenommen, die Alarm schlägt sollte mit der Karte demnächst einmal eingekauft werden und mit den Unterlagen in der Hand konnte ich dann endlich weiterfahren zur nächsten Bankfiliale.

Als ich um 13.05 Uhr an der Commerzbank-Filiale am Hermannplatz ankam bewahrheitete sich eine meiner Befürchtungen: Von 13 bis 14 Uhr hatte die Filiale geschlossen!

Es ist lange her seit ich an einem einzigen Tag so viel geflucht habe wie heute…

Da ich sowieso im Anschluss hatte einkaufen gehen wollen zog ich den Besuch im Supermarkt vor, fuhr mit der U-Bahn wieder dieselbe Strecke zurück zum Supermarkt, kaufte alles Notwendige ein, brachte den Einkauf nach Hause, packte aus und machte mich sofort wieder auf den Weg zum Hermannplatz, da es inzwischen 14.10 Uhr geworden war.

Nach nochmaligem 10-minütigem Warten in der Schlange konnte ich mein Anliegen dann endlich der Dame hinterm Schalter vortragen, sie fing auch gleich an zu wirbeln, füllte alle notwendigen Formulare aus, verkündete mir freudig, daß meine Karte scheinbar bereits am 9.3. gesperrt worden sei, da damals bereits ein Verdacht vorlag. Dies würde für die Bank die Rückbuchung erleichtern, versicherte mir die Dame und die Bank würde von hier aus alles in die Hand nehmen, mir würden keine weiteren Umstände aus der Aktion erwachsen und in 4-6 Wochen wäre die Geschichte aus der Welt!

Um 14.45 Uhr, ungefähr der Uhrzeit zu der auch meine Tour beendet gewesen wäre trat mit einem deutlich erleichterten Herzen auf den Hermannplatz und fuhr wieder nach Hause.

All’s well that ends well.

10 Kommentare zu “Was für ein schöner Montag!”


  1. 1 Georg

    Ajajaj. Mit Kreditkartendaten habe ich das in letzter Zeit ja schon ab und an mal gehört, aber an die ist auch deutlich leichter ran zu kommen als an EC-Karten-Daten. Aber auch da waren die Banken (was ich so gehört habe) sehr kulant und die Leute bekamen das Geld zurück.
    Die einzige Möglichkeit an die Daten zu kommen (soweit mir bekannt) ist eigentlich die Karte zu kopieren. Das kann zB passieren indem jemand vor den Kartenschlitz am Automaten in der Bank (oder wo auch immer) ein Lesegerät klebt, was nicht weiter auffällt und durch das man dann die Karte in den echten Schlitz reinschiebt. Dazu noch ne kleine Kamera über der Tastatur oder ein doppeltes Nummernpad und – boom! – hast du alles was du brauchst. Ganz so einfach ist das natürlich nicht, aber möglich.

  2. 2 Dennis

    Davon ging auch meine Bankberaterin aus, das Ding muss dann aber wirklich first class gewesen sein, denn ich hatte beim Geldabheben keinerlei Probleme und es sah mir auch kein Stück anders aus als sonst.
    Ab sofort werde ich an dem Ding immer ordentlich rütteln und schütteln, bevor ich meine Karte irgendwo reinstecke…

  3. 3 Joe

    Krasse Sache!!… soweit ich weiss kann das aber auch in jedem beliebigem Laden passieren, in dem man mit EC zahlt. Zum Teil kriegen die es wohl sogar hin die Dinger mit W-Lan oder aehnlichem auszustatten. Somit muessen sie nicht nochmal rein um die Daten zu erhalten. Absolut krank…… habe aber eigentlich echt Respekt verdient. Auf die Ideen muss man erstmal kommen….

  4. 4 Georg

    Diese kabellosne Kartenzahlgeräte, stimmt, die hatte ich ganz vergessen. Die sind wohl per DECT (wie jedes kabellose Telefon auch) “angeschlossen” und DECT ist ja, wie seit dem letzten C3 bekannt, sperrangelweit offen…

  5. 5 Joe

    DECT? Hoere ich zum ersten mal… Jetzt weiss ich aber endlich, wie die Dinger auf den Kongressen funktionieren. Eigentlich eine echt praktische Geschichte. Brauchst nur Strom und das Ding legt los. Es kann man mit jeder erdenklichen Form von Karte bezahlt werden und geht super schnell. Unter diesem Kontext aber doch sehr bedenklich…. ich hoffe es wird wenigstens ein vernuenftiges Verschluesselungssystem benutzt, oder was meinst du mit offen?

  6. 6 Georg

    Nur Strom? Die Basisstation braucht schon noch nen Telefonanschluss um die Daten an die Bank zu übermitteln. Oder die werden zwischengespeichert und später übertragen.
    Offen heißt, die Verschlüsselung ist kinderleicht knackbar bzw gar nicht erst existent.
    Heise-Meldung
    Aufzeichnung vom Vortrag
    Seite darüber

  7. 7 Joe

    Danke fuer die Links.
    Und ja, nur Strom. Dann ist es wohl doch ne andere Uebertragungsmethode. UMTS o.ae. vielleicht? Auf jeden Fall praktisch, aber ich hab’ keine Ahnung wie sicher das ist…

  8. 8 Georg
  9. 9 Dennis

    Na großartig, die Wahrscheinlichkeit das zumindest optisch aussortieren zu können tendiert also gegen Null!
    Ab sofort niemals mehr freistehende Bankautomaten benutzen…

  10. 10 Joe

    oh mann… heutzutage darf man echt nichts und niemandem mehr trauen… irgendwie traurig.

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