Gestern fand ich auf dem Platz hinter der Ecke am Park ein kleines unscheinbares Gerät. Bei ebay würde der Zustand als neuwertig durchgehen. Die eine abgebrochene Ecke fiel mir erst zuhause auf. Die Beschriftung war kryptisch, doch nicht klingonisch. Und so fand ich alsbald heraus, daß es sich um eine Zeitmaschine handeln müsse. In Verbindung mit einem Gegenstand oder einer Person konnte man so die persönliche Zeit dessen verändern. Man stelle sich nur vor, welche Möglichkeiten sich ergaben! Verschimmeltes Essen wiederbeleben. Nie mehr auf die unreife Banane warten müssen. Die Zimmerpflanzen direkt in den Tod schicken anstatt sie langsam verdursten zu lassen. Die tolle, aber zu junge Frau ins passende Alter katapultieren. Die alten Bremsbeläge einfach wieder erneuern. Den Gaspreis auf ein zimmererwärmendes Niveau senken. Die gelbe Flüssigkeit in der Flasche wieder zu Birnensaft verwandeln. Oder die verrostete Göttin vom Schrottplatz fabrikneu zaubern. Spaß haben eben.
Doch verriet mir das Symbol mit der durchgestrichene Zwei, daß ich all diese Annehmlichkeiten nicht würde genießen können. Denn ich hatte nur einen Schuss. Also mußte etwas großes, dauerhaftes her: Ich. Wäre es nicht wunderbar das Leben noch einmal von vorne beginnen zu können? Mit dem Wissen, was man sich inzwischen erworben hat? Und so war es entschieden. Ich stellte das Gerät auf “Alter: 3 Tage”,hielt es mir ans Gesicht und drückte ab. Kein Geräusch. Nur leichte Benommenheit. Blick nach rechts: Zimmer, der Zettel mit der Telefonnumer meiner Mutter: noch da. Blick nach links: meine Hand mit dem Gerät. Was? Wie kann ich denn als 3-Tage-Menschch die Zeitmaschine halten? Es hatte nicht geklappt. Ich war enttäuscht. Raus aus dem Fenster mit dem Teil! Erst versprechen und dann nicht halten. Wie Blicke von Frauen mit Freunden.
Was bleibt, um sich von der Enttäuschung zu erholen? Alles abwaschen. Also ab ins Bad, Wasser einlassen, aus Vorfreude ein Schluck Wasser ins Gesicht. Doch was war das da im Spiegel? Natürlich! Warum war ich nicht selbst darauf gekommen? Das Gerät hatte meinen Bart als ein Individuum betrachtet.


haha. hahahaha. du vogel!
und schade, konnte nicht auf wiedersehen dem bärtle sagen. schade drum, sowieso.
nichts da, der Gesichtspulli soll in der Hölle schmoren!
Scheint ja eine Trennung mit Herzschmerz und Traenen gewesen zu sein. Aber ich denke fuer beide wird sich im Alltag zeigen, dass es besser so ist. :P
Großartig!
Das ist imho der mit Abstand beste Text, den ich bisher von dir gelesen habe!
ihr habt doch alle wenig ahnung von ästhetik und dem sinnreichen nutzen eines, dessen, seines, unser allen – bartes. höhö
ein wohliges graulen fällt weg, das verstecken von wundersamen dingen, bunkern von essen(-sresten) ebenfalls und die geheimnisvolle erscheinung eines räuber hotzenplotzes auch. hmm.
Danke! War überrascht wie mir die weiterführenden Ideen zu rauspurtzelten. Aber Malte-Texte habe ich in letzter Zeit halt öfters gehört und gelesen :)
Ich bin ja für Time-Shared-Beard-length. Jede Bartlänge bekommt einen Zeitschlitz. Wie im WLAN.
Nicht schlecht! Ich dachte du hättest mir den link zu irgendeinem Internetpoeten geschickt. Aber es war nicht irgendeiner;) Nein im ernst, ich bin überrascht und entzückt zugleich.
Dein Mibo
hab mir sagen lassen, dass der Gesichtspulli eh schon wieder am wachsen ist…
mutter natur sei’s gedankt.
…ab ZZ Top wirds unerotisch ;) …
sieht verdächtig nach Georg ohne Bart aus:
http://vimeo.com/1246351
he mein kompliment…war sehr witzig zu lesen…nicht nur ob des verlustens gegangenen bartes…