Bastard – Casting

Wie inzwischen vermutlich jeder mitbekommen hat wird der neue Quentin Tarantino – Film ‘Inglorious Bastards’ mit Brad Pitt in der Hauptrolle ab Oktober hier in Berlin gedreht.

Da ich weder beim Anblick von Brad Pitt dahinschmelze noch ein Tarantino-Fanboy bin hat mich diese Nachricht zwar gefreut, aber ansonsten nicht weiter berührt.

Als ich jedoch durch die Fünf Filmfreunde erfuhr, daß für den Film noch einige Komparsen gesucht werden und ich feststellte, daß ich dem gesuchten Typus ziemlich nahe komme dachte ich, dies könne doch eine ganz nette Abwechslung zu meinem normalen Broterwerb sein.

Denn schließlich, so hatte mir ein Bekannter erzählt, verdiene selbst ein Komparse bei einer Hollywood-Produktion rund 100€ pro Drehtag und das Catering sei ganz hervorragend.

Zwei Samstagstermine waren für das Casting in den Babelsberger Filmstudios angesetzt, den ersten Termin versäumte ich, da ich kurzfristig die Tour an dem Tag übernommen habe.

Dafür traf ich ein paar Tage darauf zwei sehr sympathische Wiener, die das erste Casting besucht hatten und von denen ich das Procedere erfuhr sowie die Tatsache, daß sie zwei Stunden hatten anstehen müssen, bevor sie einen Bogen ausfüllen und 3 Fotos von sich machen lassen konnten.

Spätere Medienberichte hatten sogar von dreistündigem Anstehen berichtet, schrecken konnte mich das nicht, keine Wartezeit ist verschwendete Lebenszeit solange man nur ein Buch dabeihat!

Also machte ich heute nach dem Mittagessen auf den Weg nach Babelsberg.

Vor dem Zutritt zum Gelände hatte sich die Schlange der Wartenden eingefunden, ich kam vom falschen Ende und musste darum einmal an der gesamten Schlange vorbeilaufen. Ich lege ein ziemlich hohes Lauftempo an den Tag, trotzdem brauchte ich eine geraume Zeit um bis zum Ende der Schlange vorzustoßen.

Ein erstes Stirnrunzeln stellte sich ein.

Nach einer halben Stunde Anstehen war ich ca. 20 Meter vorangekommen, ein spontane Schätzung ergab, daß ich bei diesem Tempo fünf Stunden benötigen würde um zur Spitze der Schlange vorzukommen.

In diesem Augenblick huschte einmal kurz der Gedanke durch meinen Kopf, ob es mir das wirklich wert sei und ob ich nicht einfach wieder nach Hause zurückfahren und den Samstag genießen sollte. Doch dieser Gedanke wurde schnell beiseitegewischt und tatsächlich ging es bald darauf auch etwas zügiger voran.

Nach insgesamt zwei Stunden des Anstehens gab die junge Dame, die sich direkt hinter mir angestellt hatte entnervt auf und verließ die Schlange. Scheinbar war sie auch nicht die einzige Person, die sich im Laufe der Zeit zu diesem Schritt entschloss.

Ein kurzer Blick auf die restliche Schlange ließ mich Abschätzen, daß wir sicherlich noch eine weitere Stunde anstehen würden, aber wenn man bereits zwei Stunden investiert hat, dann schreckt einen die dritte Stunde nicht mehr sonderlich!

Ich blieb also.

20 Meter von der Spitze der Schlange entfernt bekam man auch ein Blatt Papier mit einer Nummer und einigen Informationen in die Hand, das man unterschreiben sollte und ich fühlte das Ende der ganzen Geschichte in greifbarer Nähe!

Ich kam also vorne zum Geländeeingang, wurde dort um die Ecke geschleust…

… und stand vor der nächsten langen Schlange!

So langsam wurde ich ein wenig unruhig.

Diese Schlange bewegte sich jedoch erstaunlich zügig, was aber auch an der inzwischen recht fortgeschrittenen Zeit lag, denn eigentlich war das offizielle Zeitfenster bereits geschlossen.

Ich näherte mich also recht bald dem, was ich für den Eingang hielt, konnte auch dort endlich um die Ecke blicken und sah: Die nächste Schlange!

Dort wurden alle etwas mehr zusammengedrängelt, der Wartebereich lief an einigen Toilettenhäuschen vorbei um eine Ecke in eine Halle!

Das erste, was man dabei in der Halle sehen konnte war: Eine weitere Schlange!

Inzwischen waren vier geschlagene Stunden vergangen, ein Ende war noch immer nicht abzusehen und irgendwie war ich inzwischen zu der Ansicht gelangt, daß es das einfach nicht wert sein könne!

Aber nunja, inzwischen war ich ja tatsächlich kurz vor dem Ziel, wurde bald darauf auch ins Gebäude gelassen, füllte dort schnell das Formular aus und stellte mich in die Schlange, die direkt zum Raum für die Fotografien anstand.

Die Leute wurden immer nur in kleinen Vierergruppen hereingelassen, um die Halle nicht zu überfüllen und nach dem Checken der Formulare konnte man sich für eine der drei Schlangen der drei Fotografen entscheiden.

Ich wählte die Kürzeste! Wie wir jedoch alle vom Einkaufen im Supermarkt wissen ist die kürzeste Schlange nicht zwangsläufig auch die schnellste Schlange, denn obwohl ein sicherlich schon rund siebenstündiger Arbeitstag hinter ihr lag quatschte meine Fotografin erst noch eine gemütliche Runde mit den zu fotografierenden Damen, hatte es allgemein auch nicht eilig und während bei bei ihr gerade einmal zwei Frauen abgefertigt worden waren musste ich bestürzt feststellen, daß in der Nebenschlange inzwischen bereits der Typ fotografiert wurde, hinter dem ich mich hätte anstellen können!

Kurzentschlossen wechselte ich also nochmals die Schlange, stellte mich nochmals hinten an und kam so tatsächlich zumindest ein paar Minuten schneller hinaus.

Zum Ende wurde mir noch ein Infoblatt in die Hand gedrückt, auf dem stand, wie es nun weiterginge.

Dort erfuhr ich auch, daß es keine gesonderte Vergütung gäbe, sondern daß der reguläre Satz für Komparsen gezahlt würde, der für einen bis zu 10,5 Stunden langen Drehtag 55€ Lohn in Aussicht stellte!

Nach beinahe fünfstündigem Anstehen erfuhr ich somit, daß sich das für mich im Grunde also überhaupt nicht lohnt und ich, selbst wenn ich als Komparse ausgewählt werden sollte, den Job trotzdem nicht antreten werde!

Mit vor Wut knirschenden Zähnen stapfte ich also zurück zum S-Bahnhof, wo mir die Bahn natürlich auch noch direkt vor der Nase wegfuhr und machte mich auf den Weg nach Hause.

Ich hatte für den Tag noch ein, zwei andere Dinge geplant, so hätte ich eigentlich dringend einkaufen gehen müssen.

Als ich jedoch in Neukölln ankam war es bereits nach halb 8 und das nochmalige Losfahren hätte sich gar nicht mehr gelohnt. Somit ging es nur zum Einkauf des Allernötigsten zum Kaisers an der Ecke, der am Samstag um diese Uhrzeit hoch frequentiert ist, was zur Folge hatte, daß ich mich, wie hätte es auch anders kommen können, nochmals ans Ende einer Schlange stellen dürfte, die sich durch den halben Laden zog!

Wenn man die Fahrtzeit mitrechnet war ich alles in allem etwa sieben Stunden unterwegs gelesen.

Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal einen freien Tag so verschwendet habe wie heute…

2 Kommentare zu “Bastard – Casting”


  1. 1 Georg

    Ach du scheiße. Meine Beine tun mir nur vom lesen weh. Aber die Zeit war ja dank des buches nicht verschwendet ;-)

  2. 2 Jeannette Homann

    Tja, unsere Füße waren auch hinüber,nur wir mußten noch drei Stunden im Auto sitzen.Mein Sohn (14) und meine Tochter (17) wollten auch unbedingt dabei sein,also sind wir morgens um halb neun von Hamburg losgefahren und am Abend um halb zehn wieder hiergewesen.Wir haben noch eine kleine Actionszene dabei gehabt,direkt vor dem Haupteingang wurde noch ein Mann verhaftet.Der arme Mensch hat wohl die Wartezeit nicht ausgehalten.Das war ein ganz toller Samstag.Mein Mann hat sich dabei noch die totale Erkältung geholt und ich habe noch nie sechs Stunden in einer Schlange gestanden.

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