Salzburg

Nachdem wir die Nacht auf unseren Rucksäcken schlafend im Flughafen Hannover herumgebracht hatten, stiegen wir schlaftrunken in den Flieger nach Salzburg. Wunderbare Panoramen bei idealem Wetter blieben zumindest mir und meiner Kamera leider verwehrt, denn ich verschlief nahezu den gesamten Flug mit der Kamera in der Hand. Gerade Salzburg selbst mit den Bergen im Hintergrund hätte sicherlich wunderbar am frühen Morgen bei stahlblauem Himmel ausgesehen. Jetzt beim Abflug, auf den wir gerade warten, regnet es Hunde und Katzen und ich hoffe das Flugzeug lässt sich davon nicht stören.

Aber zurück zur Ankunft. Nachdem der Kerosingeruch sich verflüchtigt hatte, wehte uns ein Geruch von frisch gemähtem Gras entgegen – Mitten auf dem Flughafen. Doch dieser hielt sogar in der Stadt an. Eine wunderbare Begrüßung. Das olfaktorisch versprochene Grün wurde dann auch prompt von der Stadt geliefert – es gibt einen großen Park, weite Teile des Salzburg durchfließenden Flusses sind grün umrandet und von Radwegen gesäumt, die auch fleißig genutzt werden. Die elektirschen Oberleitungsbusse, die man kaum hört und die nicht stinken, tragen ihren Teil zum Grün bei.

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Die Stadt selbst ist ähnlich alt wie die italienischen Altstädte, sieht aber doch deutlich deutscher und rechtwinkliger aus und hat nicht so kleine und verwinkelte Gassen, was dem deutschen Ordnungssinn irgendwie zugute kommt.

Unsere Herberge war zum ersten Mal ein waschechtes klassisches Hostel. Schon recht stark massenoptimiert, aber dennoch sehr freundlich und gutaussehend (Rezeption und Küche) und nahezu rein englischsprachig kam es daher. Denn die Gäste kommen aus aller Welt nach Salzburg, nur Deutsche oder deutschsprachige sind kaum darunter. Warum? Nicht etwa weil diese so reisefaul seien (ich vermute in Wien wird Anteil wieder größer sein), sonder wegen eines Filmes. Denn in der ganzen Welt ist “The Sound of Music” aus den 60er Jahren ein Klassiker, den fast jedes ehemalige Kind kennt. Und just dieser englischsprachige Film spielt eben komplett in Salzburg. So gibt es, wie in Neuseeland die Lord-of-the-rings-touren, in Salzburg eben Sound-of-music-Rundfahrten zu den Drehorten in und um Salzburg. Der 3-stündige Film wird im Hostel jeden Tag einmal gezeigt. Es ist ein typischer 60-er Jahre Film (wie unerwartet) in dem auch Audrey Hepburn die Hauptrolle hätte spielen können. Die naive und unerfahrene junge (und hübsche) Nonne wird auf einen Haushalt mit 7 Kindern, einem ehemaligen Offizier und keiner Frau losgelassen, womit das romantische Abenteuer, unterstützt durch naziinduzierte Spannung, seinen Lauf nehmen kann, sie ihn heiratet, die Kinder sie Mama nennen und die Bösen besiegt werden. Das ganze aber eben noch “unterstützt” von diversen Singeinlagen die dem einen gefallen, dem anderen eher uberkitschig erscheinen mögen.

Der eben durch diesen in Deutschland nahezu unbekannten Film (der angeblich 80% des Tourismus in Salzburg erzeugen soll) sehr hohe Anteil an ausländischen Reisenden führt soweit, daß die deutschen Mitarbeiter die deutschen Worte (“deposit”) vergessen und sogar charmante, mit französischem Akzent behaftete, Englischsprecherinnen ohne Deutschkenntnisse eingestellt werden. Gar deutsche Radiosender unterhalten auf Englisch.

Neben den Touristen gibt es aber auch noch weitere Sehenswürdigkeiten. Klassische wie die Burg (nein, sie schmeckt nicht salzig, wenn man an ihr leckt), die diversen Kirchen und Klöster, die Seen in der Nähe, das Salzbergwerk, die Katakomben und natürlich die Berge. Da wir diese aber nicht so spannend empfanden und lieber das gute Wetter mit intensivem Nichtstun verbrachten, entdeckten wir ein kleines (aber gar nicht so kleines) Kino (“Das Kino”, immerhin 6,50€ ermäßigter Eintritt), welches eine schmale Masse mit gut ausgesuchten Filmen, im Original gezeigt, anzieht. Direkt daneben befindet sich ein Cineastischer Laden bei dessen Filmauswahl ich ebenfalls bei jedem zweiten dachte: den kenn ich, der ist echt gut und bei der anderen Hälfte:ach, den wollte ich schon lange mal sehen (bei der Gelegenheit sei erwähnt, daß ich, wie wir festgestellt haben, viele Mainstreamklassiker noch nicht gesehen habe. Zwar kenn ich “Der Prozess” von Orsen Wells oder Hana-Bi, doch Léon der Profi oder den Godfather habe ich noch nicht gesehen). Von fernöstlichen bis hin zu nahdeutschen Klassikern und Neoklassikern gibt es dort alles von einem eingefleischtem Filmfan zu kaufen – oder auch zu leihen. Leider kann man nicht direkt im Laden wohnen, sondern muß sich in der Stadt eine eigene Wohnung suchen.

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Ich fande es ebenfalls sehr angenehm mal wieder große Berge in unmittelbarer, aber doch radunfreundlicher Entfernung zu sehen. Ohne möchte ich nicht mehr wohnen. Und großes, zumindest aber Wasser überhaupt sollte auch vorhanden sein. Baden im Sommer sollte kein Luxus sein. Von daher qualifiziert sich Salzburg doch recht gut. Gerade auch wegen der Nähe zu Linz, wo es eine Fotoschule gibt, die noch von mir besichtigt werden wird. Ob es hier Industrie im richtigen Bereich gibt gilt es allerdings noch zu überprüfen.

Abschließend sei gesagt, daß die Touristen für Wohnhafte sicherlich ebenso nervig sind wie in Weimar, Mozartkugeln zwar lecker nach Nougat und Marzipan schmecken, aber doch nicht den Rummel wert sind, der um sie gemacht wird: die Kombination dieser beiden leckeren Zutaten gibt es auch in Baumform zu günstigeren Preisen und, daß der österreichische Akzent so nah an Bayern gerade noch akzeptabel ist.

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