
Vor unserem Rückflug legten wir selbstverständlich ein paar Tage in Bilbao ein und kamen in einer netten Unterkunft direkt in der Altstadt unter, von kleinen Balkon aus hatten wir direkten Blick auf die gotische ‘Catedral de Santiago’, die sowohl von außen als auch von innen sehr ansehnlich ist.

In Bilbao begann der für mich eigentliche Hauptgrund für diese Reisen: Der Besuch und die Erkundung von Museen! Der Pensionsbesitzer klärte uns recht schnell über die Optionen auf:
“We have the Guggenheim and we have the Museo de Bellas Artes. The Guggenheim is a nice building, the Museo is a nice museum.”
Mit dieser Aussage liegt er auch beinahe richtig, allerdings ist das Guggenheim ebenfalls ein gutes Museum, zusätzlich zur beeindruckenden Architektur.
Das Museo de Bellas Artes hat eine ziemlich große, umfassende Gemäldesammlung, die den gesamten Zeitraum vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart umfasst. Eine Sonderausstellung zur baskischen Kunst des 19. Jahrhunderts sowie eine Fotografie-Ausstellung aus derselben Zeit komplettierten das Museum.
Abgesehen vom hervorragenden Audioguide trug auch die geringe Besucheranzahl sehr zum positiven Gesamteindruck bei. Zuweilen nahm dies jedoch extreme Ausmasse an, in der über 1000 m² großen Ausstellungshalle der modernen Kunst war ich lange Zeit der einzige Besucher zwischen all den Kunstwerken, da fühlt man sich doch schon fast wieder als Eindringling.
Wirklicher Höhepunkt der Stadt ist jedoch das berühmte Guggenheim Bilbao, das im Jahre 1997 vom amerikanischen Architekten Frank O. Gehry gebaut wurde. Das Museum ist Herzstück und Wahrzeichen einer Stadt, die noch Anfang der 90er Jahre als triste Industriestadt bekannt war, die einzig hohe Arbeitslosigkeit aufweisen konnte.

Die anschließend eingeleitete urbane Erneuerung, die die Einrichtung zweier Metrolinien, die Neuausrichtung der Wirtschaft auf Tourismus und Service, die Errichtung des Guggenheim direkt im Zentrum der Stadt sowie weitere Neubauten im Laufe der Jahre rissen die Stadt aus ihrem Schlaf und waren in ihrer Gesamtheit so erfolgreich, dass man inzwischen vom sogenannten “Guggenheim-Effekt” redet.
Die Architektur des Gebäudes ist absolut mitreißend, schon von weitem funkelt die Titanfassade in der Sonne und zieht die Blicke auf die runden Wölbungen des Museums, die von Kalkstein und Glas unterbrochen werden sowie auf die Kunstwerke wie die große, mit Blumen bepflanzte Hundefigur ‘Puppy’ von Jeff Koons sowie die Spinnenskultur ‘Maman’ von Louise Bourgeois.

Das Gebäude fügt sich dabei auf geradezu zauberhafte Weise in das Stadtbild ein, fungiert als Mittler zwischen Alt und Neu, indem sie die alte, früher fürchterlich hässliche Brücke über den Fluss umschließt und sie in umgestalteter Form als verlängerten Teil des Museum erscheinen lässt.
Auch von innen weiss das Museum zu begeistern, vom hohem, luftigem Atrium, in dem es keine einzige gerade Wand gibt führen die verschiedenen Ausstellungsräume sowie Treppen und Aufzüge weg. Schwerpunkt des Museums ist die zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, vor allem in Form von Skulpturen und Installationen.
Der Hauptteil der Ausstellungsfläche wird dabei von temporären Ausstellungen eingenommen, aktuell z.B. eine Retrospektive des Werkes von Juan Monez sowie eine Ausstellung zum Surrealismus und wie er sich auf in puncto Design auf das Alltagsleben ausgewirkt hat.
Dauerhaft Teil des Guggenheim ist dagege die raumgreifende begehbare Installation „The Matter of Time´ von Richard Serra, die aus acht gigantischen und tonnenschweren Stahlskulpturen besteht, die begehbare Spiralen, Ellipsen und Schlangenformen bildet.
Serras Kunst wird dem Minimalismus zugerechnet, einer Kunstrichtung, mit der ich im Allgemeinen eher weniger anfangen kann. Doch Serra verfolgt mit seinen Werken einen räumlichen Ansatz, macht die Skulpturen begeh- und somit besser erfahrbar, verwirrt den Besucher und schafft Formen, die zuvor noch nie auf der Welt existiert haben.
Seine eigenen Worte zu diesem Thema: „Im Grunde möchte ich Skulpturen machen, die für eine neue Art von Erfahrung stehen, die Möglichkeiten von Skulptur eröffnen, die es so bislang nicht gab.“
An der Surrealismusausstellung faszinierte mich vor allem der Einfluss des Surrealismus auf die Werbung, gerade wenn man bedenkt, dass wenige Jahrzehnte später wiederum die Werbung die Kunst beeinflussen sollte, als die Pop-Art entstand.
Munez Werke konnten dagegen nur selten beeindrucken, am Unterhaltsamsten war noch ein Raum, auf dessen Boden sich ein veränderliches Muster befand. Um es gänzlich überblicken zu können begab ich mich in eine der Ecken des Raumes und liess meinen Blick schweifen.
Eine junge Dame schien das eine ausgezeichnete Idee zu finden, sie begab sich ebenfalls in einer der Ecken des Raumes. Kurz darauf entschloss sich ein weiterer Mann für die Einnahme dieser Perspektive, als ich den Raum verliess waren noch immer drei Ecken besetzt…
Fotos von Georg
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