Heute habe ich mich gefragt, warum ich 20€ dafür ausgebe um auf einer Fläche stehen zu dürfen die nur wenig größer als meine beiden Füße ist, dabei nahezu jeglichen Sauerstoff entzogen zu bekommen, stinkende Raucherfahnen ertragen zu müssen und zu allem Überfluss noch Angst haben zu müssen innerhalb der nächsten 20 Minuten auszusehen wie eine ausgetrocknete Olive, wenn nichts Trinkbares beschafft wird.
Dann kommen 3 Leute auf die Bühne. Warum sie das Publikum erst noch eine halbe Stunde dumm rumstehen lassen weiß auch nur die Bundesunhöflichkeitsbeauftragte. Zwei Drittel der Band sehen aus wie die langweiligsten Standardmenschen von Standardistan und der Dritte gleicht im Todesgrad etwa den Rolling Stones, ist aber nur halb so alt (die Stones sind doch 80?). Der Schuppen – das Maria am Ostbahnhof – legt wert darauf wenig zu beleuchten, damit man nicht sieht wie schäbig es ist. Wobei es eigentlich auch egal ist, wie schäbig der Laden ist, aber unter den geschilderten Umständen wird ein Genießen der Musik ein wirkliche Aufgabe. Die überall blinkenden und blitzenden Digitalknipsen und die sich ob der schlechten Bilder wundernden “Zuhörer” (und wie war das Konzert? – Weiß nicht, hab das Video noch nicht gesehen) lassen den Aggressionspegel weiter steigen.
Warum nicht gehen? Die Musik ist einfach zu gut. Diese eigenartige Kombination von Menschen und ihr teilweise wirklich extraordinäres Können begeistern. Nicht nur auf Platte sind Shellac wirklich gut. Die Ryhtmen, die Monotonie, die Abwechslung, die Melodien, die Texte. Für eine Zugabe scheinen sie sich aber zu schade gewesen zu sein. Dafür bauen sie direkt anschließend ihr Equipment selbst ab, während die Leute noch zuschauen. Completely strange. Am Ende habe ich mich geärgert nicht mehr abgegangen zu sein, mehr in der Mitte gestanden zu haben und mein vorhandenes selbstinduziertes Delirium nicht agressionsabbauender und roten und andersfarbigen Scheißdreck herauspustender genutzt zu haben. Trotzdem bin ich halbwegs froh eines der beiden Deutschlandkonzerte besucht zu haben.


Klingt wirklich strange, aber sie scheinen es sich leisten zu koennen ;)