Für viele Leute scheint der Besuch in einem Museum einfach nur eine Ausweitung ihres Bedürfnisses nach Unterhaltung zu sein, gepaart mit der Überzeugung, das Ansehen von Kunst sei zumindest etwas Höherwertiges als ein Besuch im Kino oder ein Abend auf der Couch mit der 87. Staffel der aktuellen Hype-Serie im Fernsehen.
Letztere Ansicht zumindest scheint mir die Grundlage dafür zu sein, daß manche Leute sich in Museen vor Bilder stellen und sich dann fotografieren lassen. Man möchte im Grunde nur angeben: “Schaut, was ich mir angesehen habe; bewundert, wie gebildet ich bin!”
Der Ausspruch “Ich war im Museum.” scheint somit für die meisten Menschen als klare Aussage abgeschlossen: Ich war dort, ich habe mir Kunst angesehen, jetzt will ich nen Burger. Fertig!
Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, zumindest für mich nicht.
Kunst ist für mich nicht einfach Unterhaltung, keine oberflächliche Zerstreuung für kurze Zeit, die einen erfrischt und mit einem entspannten und zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht aus dem Museum ziehen lässt.
Wenn ich ein Werk wirklich gut finde, dann überwältigt und erobert es mich vollständig, packt meine Sinne, schüttelt und verwirrt meinen Verstand, meine Emotionen, stellt mein Selbstverständnis in Frage und lässt mich erschöpft und überwältigt zurück mit einem Gefühl des tiefen, strudelnden Sehnens nach…
Ja, wonach eigentlich?
Nach einem verwandten Geist?
Nach einer Antwort?
Nach einem Sinn?
Früher oder später schaltet der Geist dann auf Selbstschutz um, zieht die Aufmerksamkeit nach innen, verweigert die offensive Auseinandersetzung mit dem Erlebtem, um es nicht in noch intensiverer Form wieder aufbranden zu lassen.
Eine Art kommunikativer Knockout auf allen Ebenen: Gestik, Mimik, Artikulation; alles ist auf ein grundlegendes Minimum reduziert.
Es kostet mich dann schon Mühe überhaupt ein Gespräch zu führen, selbst auf Nachfrage, warum ich so still und schlecht gelaunt wirke würde ich keine ehrliche Antwort geben.
Allerhöchstens quäle ich mir dann ein “Ich muss das alles noch verarbeiten…” heraus und versuche auf ein anderes Thema überzuleiten.
Ein ehrliches Lächeln, das nicht wie eine verzogene Fratze aussieht, liegt jenseits jedweder Möglichkeit.
Darum lächle ich nicht, wenn ich aus Museen komme…

Da hast du wohl recht. Kunst ist fuer die meisten heutzutage nur eine Pflicht, wenn man als ‘gebildet’ gelten will. Dass dabei ganz andere Dinge eine Rolle spielen als beim Kinobesuch oder der Party letzten Samstag, ist unwichtig.
Aber sei doch froh, wenn du die Kunst noch so geniessen und erleben kannst. Sie wissen halt nicht, dass sie den aufregendsten Thriller und die besten Liebesfilme verpassen ;)
schoen fuer mich, als kuenstlerin, euren erfahrungen, als potentielle rezipienten des besagtem, zuzulesen.
Kann ich sehr gut verstehen. Ehrlich gesagt geht es mir mit (gemalten) Bildern oder sonstiger klassischer Kunst eher nicht so. Hatte aber auch in den letzten Jahren selten das Bedürfnis und dazu auch noch die Zeit und Energie mich wirklich mit den Dingen zu beschäftigen. Prinzipiell geht das wohl genauso (wenn ich da an den Kunst-LK denke, als wir und mit Magrit und Co auseinandergesetzt haben, das war auch urst spannend). Ich kann dich ebenfalls nur dazu beglückwünschen, daß du in diesen Genuss kommst, der wohl einer der größten geistigen Genüsse ist.
Ich für meinen Teil hatte solche Erlebnisse eher mit Musik. Diese stellen dann zwar eher selten mein Selbstverständnis in Frage, aber sie kann dann doch sehr überwältigend sein.
Und überhaupt: Schweigen ist Gold!
Gibt es denn keine Kunst die dich zum lachen bringt?
@lukas:
Doch, die gibt es auch, vieles von dem, was z.B. Banksy macht bringt mich zum Lachen.
Darüberhinaus gibt es natürlich auch viele Kunstwerke, über die ich gut lachen kann, das ist dann aber eher eine Frage der Qualität.
Im Grunde ist Lachen ein Abbau emotionaler Anspannung und gerade in der Verarbeitung von Kunstwerken möchte ich mir diese Anspannung erhalten, möchte sie weiter wirken lassen und nicht mit einem entspannenden Lachen loslassen.