Man kann die Ringbahn hassen, lieben, verdammen, vergöttern, nur kalt lässt sie keinen!
Und manchmal bringt sie sogar hartgesottene türkische Gangster zum Weinen…
Es ist immer eine Kette von zufälligen Banalitäten, die dazu führt, daß wir etwas Außergewöhnliches (mit)erleben, daß uns berührt oder erheitert.Nach einem langen Arbeitstag machte ich mich am Sonntag abend auf den Rückweg nach Hause vom Theater. Aufgrund meines Jetlags hatte ich 33 Stunden am Stück nicht mehr geschlafen, war totmüde und konnte darum auch nicht mehr lesen, ohne daß mir die Augen zufielen. Als ich am S-Bahnhof Schöneberg in die Ringbahn umsteigen wollte hatte ich darum mein Buch bereits wieder in meiner Tasche verstaut. Als die Ringbahn dann endlich nach einem ausgefallenen Zug kam brachte mich meine Vorliebe, mich entweder alleine oder in weibliche Nähe zu setzen dazu, mich auf einen Platz etwas abseits meiner üblichen Sitzposition in der Ringbahn fallen zu lassen. So kam ich schließlich dadurch, daß eben jenes Mädel an der nächsten Station ausstieg und ich mich auf ihren Platz umsetzte, in den Genuss der folgenden sich abspielenden Szene:
Kaum hatte ich es mir bequem gemacht lief ein prolliger, ziemlich schmalzig aussehender Türke mit seinem aufgedrehten Handyghettoblaster an mir vorbei, irgendein Song von Bushido beschallte die Bahn. Er fläzte sich ein paar Sitzecken weiter quer über die Bank, drehte die Musik nochmal extra auf und kam sich dabei scheinbar ziemlich toll vor.
Das blonde Mädchen auf der anderen Seite das Ganges schien seine Einschätzung allerdings nicht zu teilen. In leicht genervtem, aber immer noch höflichen Tonfall forderte sie ihn auf, die Musik doch bitte leiser zu drehen.
Wie nicht anders zu erwarten drehte er sein Handy natürlich nicht leiser, sondern fing stattdessen an, das Mädchen zu bepöbeln. Das einzige Wort, welches ich dabei klar herausfiltern konnte war ein ihr laut an den Kopf geworfenes ‘Schlampe’!
Nun hat man in solch einer Situation eigentlich immer nur zwei Optionen:
Entweder man lässt es auf sich beruhen, ärgert sich still in sich hinein und setzt sich evtl. noch um oder man lässt es eskalieren mit allen denkbaren und möglichen Folgen, die praktisch alle den Anlass nicht wert sind.
Die Optionen aus gewohnter Perspektive beurteilend erwartete ich erstere Möglichkeit.
Desto überraschter war ich, als die junge Dame ohne groß zu zögern in ihre Handtasche griff, eine kleine Dose hervorholte und dem Türken aus rund zwei Meter Entfernung eine wohlgezielte Ladung CS-Gas ins Gesicht spritzte!
Anschließend schnappte sie sich ihre Sachen, fauchte dem Türken noch ein ‘Das haste davon, daß du jemanden einfach so als Schlampe bezeichnest!’ entgegen und stieg an der nächsten Station aus und in den nächsten Waggon ein.
Der Türke winselte und heulte, lief im Gang auf und ab und jammerte einem Kumpel per Handy sein Leid vor, während alle Mitfahrenden, die die Szene beobachtet hatten sich ein Grinsen nicht verkneifen konnten.
Zwar fing aufgrund der Ausbreitung des Gases bald der halbe Zug an zu husten und zu schnaufen, doch das schmälerte unser aller Schadenfreude kaum!
Glücklicherweise konnte ich allerdings auch bei der nächsten Station aussteigen und mich auf die letzten Meter Richtung Zuhause und dieses Blogeintrages machen.
Vielleicht sollte ich mir demnächst auch mal so eine kleine Dose zulegen. Man weiß schließlich nie, was einen in der Ringbahn alles erwartet…

das ist eine großartig erlebte geschichte. ich an ihrer stelle, hätte fortan angst, von wilden gangs durch die straßen berlins gejagt zu werden.
diese dame hat courage.
du wolltest nicht mit aussteigen und nach iher nummer fragen?
haha.
Naja, der Typ hat anschließend nicht mehr soo viel gesehen, ob er sie wiedererkennen würde sei also dahingestellt. ;)
Zumal ich sagen muss:
Die Wahrscheinlichkeit hier in Berlin eine zufällige Bahnbegegnung wiederzutreffen ist denkbar gering.
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Applaus!