Monatsarchiv für April 2008

Seit Ursache und Wirkung das beste Team

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Foto: schoenswetter

Dortmund, Samstag 21.00 Uhr. Eine kleine Gruppe komplett schwarz gekleideter junger Menschen trifft sich um gemeinsam dem letzten Aufbäumen des deutschen kopflastigen Hip-Hop beizuwohnen und ihn danach zu Grabe zu tragen. Ganz so schlimm war es nicht, doch in den Köpfen der Angereisten war dieses Bild allgegenwärtig. Denn die Kinderzimmer Productions haben sich eingefunden um ein letztes Mal ihre Kunst zu zelebrieren und sich danach in einem rein privatem Leben zu zerstreuen.
Daher könnte man auch vermuten, daß das Konzerthaus Dortmund, welches normalerweise klassische Konzerte beherbergt und somit ein ungewohnter, dafür um so reizvollerer Ort für Hip-Hop ist, ausverkauft war. Doch dem war nicht so. Die Fans, deren Freunde wenig Organisationstalent hatten, verschenkten teilweise die zuviel gekauften Karten – an einen Verkauf war nicht zu denken. Unfassbar, wenn man sich das gebotene vor Augen führt. Sehr viel fassbarer wird dadurch aber der Entschluss von Textor und Quasi Modo keine weitere Energie in ihre Musik zu stecken. Das schmerzt die wirklichen Liebhaber dieser Gruppe natürlich um so mehr, denn die waren sich auch nicht zu schade aus München, Hamburg, Jena oder gar Wien in die westdeutsche Tristesse zu reisen.
Doch wenden wir uns den schönen Dingen des Abends zu. Das Konzerthaus war ein würdiger Ort, denn es war eigentlich ein Hörkonzert und kein Tanzkonzert. Das sahen einige anders, doch sprach sowohl die Instrumentierung und die ruhige Umsetzung der Stücke, als auch der recht leise Sound deutlich dafür, daß es als ein solches gedacht war. Die beiden Hauptpersonen wurden nämlich nicht nur – wie bei normalen Konzerten – durch “Jürgen das Tier” am Schlagzeug unterstützt, sondern ebenfalls von Fabian Kalker (Gitarre/Bass), Peer Neumann (Halb Finne, halb Hesse – mitten in die Fresse! – Klavier, Cembalo(!), Geräusche, etc) und den Bosum Brüdern (Backin Vocals). Textor selbst spielte zusätzlich noch die Liebe seines Lebens – einen klassischen Kontrabass – das Instrument welches er auch studiert hat.
Dementsprechend unplugged klang der Hip-Hop auch und man fing an sich zu wundern, warum Hip-Hop denn nicht immer mit klassischen Instrumenten gespielt wird. Grandios. Wie Textor schon in einem Interview bei coast2coast (Folge 16) Eisfeld zitierte: „Wer Hip Hop macht aber nur Hip Hop hört, betreibt Inzest“. Und so wurde ganz jazzlike zwischendurch improvisiert und nach besonders kunstfertigen Einlagen geklatscht. Das Cembalo ebenso wie eine Chipstüte (zur Simulierung von Plattenknistern), eine Triola, Xylophone (klein und groß) und allerlei weitere phantasievoll genutzte hip-hop-fremde Instrumente bezeugten die Detailverliebtheit der Jungs und erzeugten so ein vollkommen erfrischendes Klangerlebnis.
Eine weitere Premiere war einer meiner Lieblingsstücke live zu hören: “Nie wieder gut” – denn bis dato hatten sie dieses Stück immer auslassen müssen (ich vermute wegen der Instrumentierung). Ebenso “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint” mit der besten Bassline ever auf dem schönsten Instrument gespielt war ein Hochgenuss. Nur lauter hätte ich mir gerade dieses Stück gewünscht.
Bei so viel Erlebnis und akustischer Bewusstseinserweiterung kam das letzte Stück dann sehr plötzlich, doch blieb sehr lang. Denn nachdem der Saal geschlossen aufstand um den Jungs den gebührenden Respekt zu vermitteln, ließen sie sich zu geschlagenen 3 Zugaben mit jeweils mindestens 2 Stücken überreden, während derer der Saal auch stehen blieb und nur knapp dazu bewegt werden konnte jemals wieder mit klatschen aufzuhören. Als krönenden Abschluß kam dann noch eine Hommage der beiden alleine an einen ihrer amerikanischen Sample-Lieferanten. Sie waren wirklich gerührt von der Begeisterung der Leute und auch unter den Zuhörern kullerte innerlich oder gar äußerlich die eine oder andere Träne die Wangen hinunter.
Glücklich diesem Ereignis beigewohnt zu haben und traurig ob der Beerdigung verließ ich den Konzertsaal als einer der letzten, die Stimmung auskostend. Draußen scharten sich schon die Leute um den kleinen Shop, der die letzten Fanartikel verkaufte und dann sogar noch mit der Anwesenheit von Textor und Quasi Modo beehrt wurde. Entgegen seiner Aussage er würde sich eher erschießen bevor er seinen eigenen Scheiß signiere, tat er selbiges (nicht erschießen) und beantwortete freundlich und dankbar Fragen. So erfuhr ich auch, daß sie das Konzert aufgenommen haben, die Aufnahmen überprüfen werden und bei angemessener Qualität das Ganze planen zu veröffentlichen. Und ich dachte schon ich müßte für immer mit meiner übersteuerten und schlecht klingenden Aufnahme leben.
Textor wird jetzt ersteinmal Urlaub machen und sich einem normalen Job widmen. Wenn er dann in ein oder zwei Jahren Langeweile verspürt, wird es eventuell wieder Musik von ihm geben – welche Richtung oder was genau dies sein wird ist dabei noch völlig offen.
Also vielen Dank ihr beiden! Auch dafür euch selbst so treu geblieben zu sein und nicht dem Geld wegen Dinge anders gemacht zu haben. Aber für ne echte Tätowierung ist sein Oberarm eben auch zu schmal.

Mein Rucksack mit dem Fotoapparat wurde mir leider am Eingang abgenommen, so daß ich keine Fotos machen konnte, was mich doch hinreichend stark geärgert hat, doch konnte ich mich so wenigstens voll und ganz das Konzert genießen.

ertappt

ich habe mich heute vor meinem eigenen schatten erschrocken und schlussfolgere hiermit, dass zwischen – allein zu sein und einsamkeit – ein sehr großer unterschied besteht.

A wise man

A wise man once told me [not me, "filmnoir" acutally] – you’re either doing what you want to do, working towards being able to do what you want to do, or you’re just doing what someone else wants you to do.

Nur für Verrückte

Aus dem Steppenwolf von Hermann Hesse.

‘Die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen, als bis sie es können.’ Ist das nicht witzig? Natürlich wollen sie nicht schwimmen! Sie sind ja für den Boden geboren, nicht für das Wasser. Und natürlich wollen sie nicht denken; sie sind ja fürs Leben geschaffen, nicht fürs Denken! Ja, und wer denkt, wer das Denken zur Hauptsache macht, der kann es darin zwar weit bringen, aber er hat doch eben den Boden mit dem Wasser vertauscht, und einmal wird er ersaufen.

Jetzt bitte nicht oben rechts auf das Logo gucken.

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Diogenes und die Kyniker

Die griechische Philosophenschule der Kyniker ist für die Idee der Bedürfnislosigkeit bekannt, die sie als Ideal vertreten hat. […] Diogenes von Sinope soll sich in einer Tonne als Wohnsitz niedergelassen haben. Auf die Frage des Alexander, was er sich von ihm wünsche, soll er geantwortet haben, er möge aus der Sonne gehen.

Und zu seiner Gewohnheit, in der Öffentlichkeit zu onanieren, meinte er: “Könnte man doch nur den Hunger ebenso leicht vertreiben, indem an sich den Bauch reibt.”

Aus Diogenes Laertius – Das Lob der Bedürfnislosigkeit

Nichts verzapft

Die Einsamkeit ist die Treppe zum Gedankenkeller. Sie ist selbstverständlich wertlos für denjenigen, der unten nichts auf Lager hat. Wer aber sein Fäßchen oder gar Fässer, Tonnen dort liegen weiß – meistens die, welche oben nur wenig verzapfen – dem fällt es nicht schwer, die Stunden in dieser erfrischend kühlen Tiefe totzuschlagen.

Aus Joachim Ringelnatz – Die wilde Miß vom Ohio

Auch hörbar verfügbar.

Ringbahngeschichten die Erste

Man kann die Ringbahn hassen, lieben, verdammen, vergöttern, nur kalt lässt sie keinen!

Und manchmal bringt sie sogar hartgesottene türkische Gangster zum Weinen…

Es ist immer eine Kette von zufälligen Banalitäten, die dazu führt, daß wir etwas Außergewöhnliches (mit)erleben, daß uns berührt oder erheitert.Nach einem langen Arbeitstag machte ich mich am Sonntag abend auf den Rückweg nach Hause vom Theater. Aufgrund meines Jetlags hatte ich 33 Stunden am Stück nicht mehr geschlafen, war totmüde und konnte darum auch nicht mehr lesen, ohne daß mir die Augen zufielen. Als ich am S-Bahnhof Schöneberg in die Ringbahn umsteigen wollte hatte ich darum mein Buch bereits wieder in meiner Tasche verstaut. Als die Ringbahn dann endlich nach einem ausgefallenen Zug kam brachte mich meine Vorliebe, mich entweder alleine oder in weibliche Nähe zu setzen dazu, mich auf einen Platz etwas abseits meiner üblichen Sitzposition in der Ringbahn fallen zu lassen. So kam ich schließlich dadurch, daß eben jenes Mädel an der nächsten Station ausstieg und ich mich auf ihren Platz umsetzte, in den Genuss der folgenden sich abspielenden Szene:

Kaum hatte ich es mir bequem gemacht lief ein prolliger, ziemlich schmalzig aussehender Türke mit seinem aufgedrehten Handyghettoblaster an mir vorbei, irgendein Song von Bushido beschallte die Bahn. Er fläzte sich ein paar Sitzecken weiter quer über die Bank, drehte die Musik nochmal extra auf und kam sich dabei scheinbar ziemlich toll vor.

Das blonde Mädchen auf der anderen Seite das Ganges schien seine Einschätzung allerdings nicht zu teilen. In leicht genervtem, aber immer noch höflichen Tonfall forderte sie ihn auf, die Musik doch bitte leiser zu drehen.

Wie nicht anders zu erwarten drehte er sein Handy natürlich nicht leiser, sondern fing stattdessen an, das Mädchen zu bepöbeln. Das einzige Wort, welches ich dabei klar herausfiltern konnte war ein ihr laut an den Kopf geworfenes ‘Schlampe’!

Nun hat man in solch einer Situation eigentlich immer nur zwei Optionen:

Entweder man lässt es auf sich beruhen, ärgert sich still in sich hinein und setzt sich evtl. noch um oder man lässt es eskalieren mit allen denkbaren und möglichen Folgen, die praktisch alle den Anlass nicht wert sind.

Die Optionen aus gewohnter Perspektive beurteilend erwartete ich erstere Möglichkeit.

Desto überraschter war ich, als die junge Dame ohne groß zu zögern in ihre Handtasche griff, eine kleine Dose hervorholte und dem Türken aus rund zwei Meter Entfernung eine wohlgezielte Ladung CS-Gas ins Gesicht spritzte!

Anschließend schnappte sie sich ihre Sachen, fauchte dem Türken noch ein ‘Das haste davon, daß du jemanden einfach so als Schlampe bezeichnest!’ entgegen und stieg an der nächsten Station aus und in den nächsten Waggon ein.

Der Türke winselte und heulte, lief im Gang auf und ab und jammerte einem Kumpel per Handy sein Leid vor, während alle Mitfahrenden, die die Szene beobachtet hatten sich ein Grinsen nicht verkneifen konnten.

Zwar fing aufgrund der Ausbreitung des Gases bald der halbe Zug an zu husten und zu schnaufen, doch das schmälerte unser aller Schadenfreude kaum!

Glücklicherweise konnte ich allerdings auch bei der nächsten Station aussteigen und mich auf die letzten Meter Richtung Zuhause und dieses Blogeintrages machen.

Vielleicht sollte ich mir demnächst auch mal so eine kleine Dose zulegen. Man weiß schließlich nie, was einen in der Ringbahn alles erwartet…

Meine Oma und Meditonsin die Frauen

Meine Oma

Glückwunschkarte meiner Oma.

Zuhören

Sehr ermüdend, wenn der Vorgesetzte (nicht örtlich, hierarchisch) darauf antwortet was er denkt was man gesagt/gefragt hat und nicht auf das was man gesagt/gefragt hat. Am besten noch bevor man überhaupt fertig ist mit reden. Und natürlich denkt dieser, daß man nach den einfachsten Dingen fragt, die man erstens schon 3 mal erklärt bekommen hat und zweitens eh schon vorher verstanden hat. Kommunikation! Kommunikation! Frauen: ich kann wirklich und sehr gut zuhören und gebe nach inhaltlichen Absätzen eine Zusammenfassung des eben gehörten.

Wörterkunde

Na ja!