Monatsarchiv für März 2008Seite 2 von 3

Aufgewacht

Produktivität ist Substitut für das Glück. Bin ich nicht produktiv, bin ich nicht glücklich. Nach der Arbeit könnte ich mich fallen lassen, doch ich strenge mich mehr an um meinem Wunsch nach persönlichem Schaffen gerecht zu werden. Workaholic nannte man solche Menschen in den 90ern. Immerhin für mich und nicht eine Firma, aber trotzdem. Die Zeiten des reuelosen Zeittotschlagens sind vorbei. Ich bin aufgewacht, wie die Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg, und frage mich wie ich das nur machen konnte? Ich habe das durchsichtige Blut von vielen vielen Zeiteinheiten über mein ganzes Zimmer verteilt. “Zum Glück trug ich nen Integralhelm, darum ist mir nichts passiert.” Doch inzwischen habe ich mich abgekehrt von Gewalt – in Filmen, wie auch gegen die Zeit – und ich muß sagen mit Gewalt war das Leben einfacher. Selbst 8 Stunden täglich arbeiten und anschließend nochmal 4 oder 5 für den eingebauten Arbeitgeber vermitteln mir nicht das Gefühl etwas geschafft zu haben. Warum brauchen die Dinge nur so lange? Es wird doch sonst alles schneller. Und mir gelingt doch alles sowieso immer einfach und ohne viel Aufwand. Dachte ich. Ist dann auch die Frage ob es nicht besser so ist. /Denken

Konzertaufruf

Am 2. Mai (Freitag) spielen Shellac in Berlin. Die Band mit dem bestem längsten Lied in meiner persönlichen Musikgeschichte muß ich einfach mal gesehen habe. Wer kommt mit? Kennt ihr nicht?

Advanced thing using

Musikgeschmack ist wie ein Computer: wer sich nicht damit beschäftigt nutzt Standardware.

Zum Mitnehmen

Das verkündet seit ein paar Tagen ein Zettel, der 20 Meter von meiner Wohnung entfernt an einen Baum gepinnt wurde.

Als ich das erste Mal daran vorbeikam lagen nur noch ein paar Holzbretter davor, was auch immer ursprünglich dort gelegen haben mag war längt weg.

Heute lag an eben jener Stelle eine tote, geköpfte Taube.

Ob sie wohl Julia und ihrer Guillotine begegnet war?

Metalljazz und guillotinierte Ratten

Kein einziger Ton entwich aus dem dreifach schallisolierten kleinen Jazzclub im Herzen von Westberlin, einzig die leicht gedämpften Geräusche der Großstadt drang an diesem Donnerstag abend ans Ohr.

Doch auf der anderen Seite der großen Fenster war die Hölle los!

Denn dort standen neben großen Verstärkern Panzerballet auf der Bühne und brachten ihr Publikum mit dem auf Trab, was Jan Zehrfeld, der Kopf der Truppe, zu Beginn des Konzertes als ‘Wellness-Death-Jazz’ eingeordnet hatte. “Man könnte es auch Lounge-Punk nennen…”

Die Musik, die die Jungs von Panzerballet zum Besten geben hat mit der Musik klassischer Jazz-Trios in etwa soviel gemein wie die Bild-Zeitung mit objektivem Journalismus. Denn sie versuchen sich an der gewagten Synthese aus Metall und Jazz, “verkrassen” Klassiker der verschiedensten Genre, sei es nun der Pink Panther oder AC/DCs Thunderstruck, alles wird bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, im Tempo variiert, mit akrobatischen Soli untermauert und anschließend einfach frech in den Raum gerotzt. Das Ganze natürlich in einer Lautstärke, die mir die Ohren klingeln ließ!

Vor allen Dingen Gregor Bürger am Saxophon und noch mehr Heiko Jung am Bass wußten zu überzeugen mit ihren fulminant-brachialen Einlagen.

Begleitet wurde ich an diesem Abend von der wie immer bezaubernden Julia, die mir in den musikalischen Pausen von ihrer aktuellen Forschungstätigkeit berichtete, die sie für ihre Doktorarbeit durchführt. Meinen Einwand, daß man Doktorarbeiten traditionell eigentlich erst NACH dem Diplom beginnt wischte sie mit dem unwiderlegbaren Argument vom Tisch, daß sie nunmal aber gerade jetzt für diese Forschung Zeit hätte.

So steht sie also momentan täglich im Labor, führt Experimente durch und versucht der Funktionsweise des Gehirns auf die Spur zu kommen. Sie überprüft eine Theorie, derzufolge häufig genutzte Bahnen im Gehirn im Laufe der Zeit verstärkt werden, bei denen sozusagen eine weitere Spur angebaut wird, um den massenhaften Verkehr besser durchleiten zu können.

Zu diesem Zweck sticht sie auf gut Glück in einige Gehirnzellen hinein, versucht eine funktionierende Verbindung herzustellen, leitet Strom durch die Zellen und misst anschließend nach, wie sich der Durchfluss verändert hat im Laufe des Versuchs. bis die punktierte Zelle irgendwann ihren Geist aufgibt.

Nun wachsen Hirnzellen nicht auf Bäumen, menschliche Hirnzellen schon gar nicht und darum stammen die Zellen auch von freundlich-unterstützenden Lebewesen aus dem Labor: von Ratten.

Besorgte Tierfreunde mögen an dieser Stelle evtl. noch auf Operationen am offenen Gehirn mit anschließender Wiederaufpeppelung hoffen, die triste Realität sieht jedoch anders aus:

Da wird das auserwählte Tierchen mit Äther betäubt, in eine kleine Guillotine gelegt und auf Knopfdruck trennt ein Beil den Kopf sauber vom Körper ab! Anschließend wird das Gehirn von seiner Hülle befreit, von einer hochentwickelten Brotschneidemaschine in feinste Schichten zerteilt, auf Eis gelegt und anschließend von Julia für ihre Experimente benutzt.

Während sie mir von ihren Versuchen erzählte sah ich zum allerersten Mal seit Beginn ihres Studiums ein Funkeln der Begeisterung in ihren Augen. Offensichtlich hat sie sich doch endlich zu dem durchgebissen, was sie wirklich interessiert.

Dass dieser Weg von Rattenleichen gesäumt ist fällt wohl unter die Kategorie collateral damage.

Fröhliche Musik

Manche Leute in meiner näheren Umgebung betrügen sich gerne selbst, reden sich Dinge schön und hören fröhliche Musik um die schlechte Laune zu verbessern. Pahhh! Kleinkriminelle Gefühlserpresser sind das! “Wenn du gut wirst höre ich auch mit dieser fröhlichen Musik auf”.

“GIVE UP – stop dancing & cry”

Dieses Motto hat sich der diesmonatige Themenspartenradiokanal der Seite dublab angenommen (wo es auch noch einen mp3blog und einen themenungebundene Sender und mehr gibt). Lasst euren Gefühlen freien Lauf und genießt die gute Musik!

Russisch-Solitär

Einmal im Halbjahr wird Russisch-Solitär gespielt. Alle Angestellten eines Betriebs treten in einem Solitär-Wettbewerb gegeneinander an. Der Gewinner bekommt eine Kaffeemaschine und die Kündigung.

Das künstlerische Schaffen

Ich verbinde mit der Kunst den Bauch. Ich male was und wie es mir aus der Hand läuft, ich fräse den Speckstein da wo es mir mein Gefühl vermittelt und ich fotografiere so, wie es eben passiert. Mein Kopf ist dabei schon an, aber ich denke nur in den relativ engen Grenzen der Kameraeinstellungen. Und heraus kommen Bilder die ganz ok sind, aber mich schon seit längerem nicht mehr so recht zufriedenstellen. Die Kunst ist durchaus auch eine sehr verkopfte Angelegenheit, was mir eigentlich schon früher hätte klar werden sollen, wenn ich so heimlich zu la a. rüberschiele. Vom einfach Machen wird man scheinbar nur in relativ begrenztem Maße besser. Doch macht mir dieses aus dem Bauch eigentlich viel mehr Spaß. Mir fehlt der Hintergedanke: wie stell ich mir das Bild vor, wie soll es werden. Und mit dem Licht umzugehen ist echt schwierig. Ihr merkt schon, ich stecke in der Fotografie gerade etwas fest. Von daher überlege ich mir Anleitung in Form eines weiteren Studiums zu holen, aber das steht noch in den Sternen. Die Kunst ist also auch nur eine Ingenieurswissenschaft. Nachdenken, wie man was am besten erreichen kann.

Arbeitsleben

Selbst wenn die Arbeit Spaß macht klaut sie einem trotzdem viel zu viel vom Tag. Man muß früh ins Bett gehen, um früh aufstehen zu können und schafft so praktisch gar nix. Ich hasse es jetzt schon. Obwohl die Arbeit an sich bis jetzt ganz ok ist.

Ablegen unter: verwöhnt,  Student, das Leben ist hart, Weichei, Klappe!, werde endlich erwachsen

unsicherheit

bedeuten erinnerungen, die fähigkeit sich vergangener zeiten zu entsinnen, glück?