Doppelte Dummheit

Vor wenigen Tagen stellte ich kurz nach Verlassen meiner Wohnung erschrocken fest, daß ich meine Portemonaie auf meinem Schreibtisch liegengelassen hatte. Da dieses nämlich seit einiger Zeit aus allen Nähten zu platzen drohte hatte ich es mal wieder durchforstet, alte Studienausweise, Rechnungen und sonstigen Krimskrams entfernt.

Ich war ein wenig in Eile, drohte bereits zum Staff Meeting meiner Firma zu spät zu kommen und entschied mich deswegen dagegen, noch einmal den Weg zurück und die Treppen nach oben zu laufen, wodurch ich garantiert meine Bahn verpasst hätte.

Für gewöhnlich werde ich in den Berliner Bahnen höchstens einmal im Monat kontrolliert, ich machte mir also keinerlei Sorgen, machte es mir in der Bahn gemütlich, las mein Buch und dachte nichts Böses. Auf der Hinfahrt hatte ich auch keinerlei Probleme, auf der Rückfahrt hatte ich mein Mißgeschick bereits wieder vergessen, telefonierte in der Bahn mit einer Freundin als mich eine durch den Zug gerufene Aufforderung in die triste Realität zurückschleuderte:

“Schönen guten Tag, die Fahrausweise einmal bitte!”

Die statistische Wahrscheinlichkeit, daß ich einmal sowohl meinen Fahrausweis nicht dabei habe als auch kontrolliert werde geht ziemlich gegen 0. Traue niemals einer Statistik!

Alles halb so wild sollte man meinen, schließlich kann man ja den Ausweis nachträglich im Büro vorzeigen. Zähneknirschend erfuhr ich jedoch, daß eben jenes Büro (natürlich) am anderen Ende der Stadt liegt.

Als ob ich die nächsten Tage nichts Besseres zu tun hätte…

Ein paar Euronen würde die ganze Angelegenheit natürlich trotzdem noch kosten.

Als mir dann mittem im Supermarkt, in dem ich mir für den nächsten Morgen noch eine Packung Milch kaufen wollte, kurz vor der Kasse auch noch bewußt wurde, daß ein vergessenes Portemonaie ebenfalls bedeutete, daß ich kein Geld dabei hatte, war der Abend endgültig für mich gelaufen!

Doch damit endet der Spaß selbstverständlich noch nicht!

Am selben Abend steckte ich mein Portemonaie wieder ein und in den nächsten Tage fühlte ich mich vollkommen sicher. So war ich denn auch vollkommen entspannt, als heute morgen in der U-Bahn wiederum eine Kontrolle durchgeführt wurde.

Flink zückte ich mein Portemonaie, zog das Semesterticket locker-lässig etwas hervor und hielt es dem Kontrolleur entgegen, ohne auch nur von meiner Lektüre aufzusehen.

“Das ist aber das Ticket vom Sommersemester, haben Sie auch ein gültiges Ticket?”

Vollkommen verduzt starrte ich den Kontrolleur und anschließend mein Semesterticket an: Tatsächlich, das war das alte, abgelaufene Ticket. Das aktuelle war nirgendwo in meinem Portemonaie zu finden!

Ganz offensichtlich hatte ich das falsche Ticket ausgepackt (und womöglich weggeschmissen), als ich vor wenigen Tagen ausgemistet hatte.!

Freudestrahlend nahm ich also meinen zweiten Bußgeldschein innerhalb weniger Tage entgegen und auch der freundliche Hinweis, daß ich mein Ticket im Büro nachzeigen könnte war nicht wirklich hilfreich, um meine Laune zu heben.

“Na zumindest kann ich beide Angelegenheiten auf einen Schlag erledigen!” dachte ich noch still bei mir.

Pustekuchen! Ganz offensichtlich wird das Inkasso von S- und U-Bahn in Berlin nämlich von verschiedenen Büros erledigt, den zum Vorzeigen meines Tickets wurde ich wiederum in einen anderen Teil von Berlin zitiert.

Das viel größere Problem war allerdings: Ich war mir nicht sicher, ob ich das gültige Ticket überhaupt noch habe! Denn es war durchaus möglich, daß ich es einfach in den Müll geworfen hatte – den wiederum hatte ich am Vortag erst in die Mülltonne im Hof entleert!

Die ganze Tour über spukten in meinem Kopf Szenen herum, wie ich auf Knien kriechend darum betteln würde, daß mir geglaubt werden solle, daß alles nur ein Mißgeschick gewesen sei und ich doch bitte von der Zahlung des Bußgeldes verschont bleibe solle – obwohl ich kein aktuell gültiges Ticket vorweisen könne.

Kaum zurück in der Wohnung stürzte ich zu meinem Schreibtisch, durchwühlte die herumliegenden Stapel – und wurde glücklicherweise fündig!

Jetzt muss ich also NUR NOCH stundenlang durch die Stadt fahren, Verwaltungskosten in niedriger zweistelliger Höhe entrichten und kann mich anschließend wohlig zurücklehnen und ganz entspannt meine elendige Dummheit verfluchen – es hätte schließlich auch alles noch viel schlimmer kommen können…

5 Kommentare zu “Doppelte Dummheit”


  1. 1 la a.

    oje!

  2. 2 Joe

    lol, irgendwie kommt mir das so bekannt vor…. da faehrt man seelenruhig mit seinem Fahrrad in der Bahn durch eine ‘fremde’ stadt und denkt sich eine Station vor dem Ziel nicht viel als nach Ausweisen gefragt wird. Freundlich, aber bestimmt wird man darauf hingewiesen, dass es hier ueblich sei fuer sein Fahrrad einen Kinderfahrschein zu loesen… am naechsten Tag (ein Samstag), um kurz nach sieben (morgens!), noch halb verschlafen steigt man einfach in die Bahn ein und setzt sich gewohnheitsgemaess hin um ein bischen zu doesen. Als der vertraute Klang des Satzes ‘Ihre Fahrscheine bitte!’ erklingt kommt der Schock: Man sollte wenigstens einen Platz auf seiner Vierfahrtenkarte auch abstempeln, wenn man das noble Gefaehrt dieser freundlichen Firma betritt……..
    In beiden Faellen wurde mir gesagt, ich solle doch in der Zentrale anrufen, man koenne so jetzt nichts entscheiden. Natuerlich wurde da nichts draus und ich musste den vollen Preis bezahlen :(
    Fazit: Dummheit bringt nicht nur nichts ein, sie kostet auch noch was!

  3. 3 Dennis

    Wobei gesagt werden muss, daß mit der notwendigen betrügerischen Energie sämtliche Strafgebühren abgewiesen werden können.
    Mann muss schließlich nur behaupten, man habe schlicht keinerlei Ausweise dabei und anschließend überzeugend einen falschen Namen und eine falsche Adresse angeben.
    Dazu muss man es aber auch schon darauf anlegen…

  4. 4 alexs

    mensch da kann man ja sagen “wenn’s dick kommt dann aber richtig” :-)

  5. 5 Georg

    Ach Joe!

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